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Infoveranstaltungen 2017

LUZERN

'Zwischenjahr mit Fremdsprache'

Di 2. Mai, 18:00 Uhr

ohne Anmeldung

BIZ Luzern
Obergrundstrasse 51
6002 Luzern

 

 

 

 

 

 

BASEL

'Nichts wie weg'
Informationsabend zu interkulturellem Jugendaustausch

Do 11. Mai, 18:00 Uhr, 3. OG

Anmeldung unter:
www.intermundo.ch/Basel

GGG Stadtbibliothek BaselIm Schmiedenhof 104001 Basel

LUZERN

'Zwischenjahr mit Fremdsprache'

Di 2. Mai, 18:00 Uhr

ohne Anmeldung

BIZ Luzern
Obergrundstrasse 51
6002 Luzern

ZUERICH

Informationsabend Auslandsaufenthalt

Do, 8. Juni, 18:30h
Anmeldung unter
https://goo.gl/forms/edpBuiBER6Gf7bQw2

AFS Büro Zürich
Kernstrasse 57
8004 Zürich

 

 

Bazyli, 2016/2017 in Wellington, Neuseeland

Mein Name ist Bazyli und ich lebe seit Juli 2016 in Neuseeland. Ich wohne in der Hauptstadt Wellington und besuche das Onslow College. In meiner Freizeit liebe ich es zu surfen, die Ukulele zu spielen oder einfach mit guten Freunden die Stadt zu erkunden.

 

Meine Lieblingserinnerung

Nach den ersten zwei Monaten in der Schule habe ich mich auf den «South-Island Trip» begeben. Diese Tour wurde mir von jedem Austauschschüler, der sie bislang besucht hatte empfohlen. Mit dementsprechend grossen Erwartungen flog ich anfangs meiner ersten Ferien nach Christchurch, wo der Trip startete. Nach dem ersten fantastischen Tag in Christchurch und Lake Tekapo, brachen wir zu früher Stunde in Richtung Milford Sound auf. Es ist dies, ein weltbekannter Fjord im Fiordland Nationalpark auf der Südinsel Neuseelands. Zufälligerweise war dieser Tag auch mein Geburtstag. Die folgenden Tage sollten die besten meines bisherigen Lebens werden.

Die Busfahrt war geprägt von lauter Musik, guter Laune und wunderschönen Zwischenstopps. Nach einem langen Tunnel: Der Fiordland Nationalpark!!. Die Stimmung wurde ruhig, die Musik langsam und mysteriös. Wir alle klebten am Fenster und betrachteten die traumhafte Landschaft, von der man bisher nur zu träumen gewagt hatte. Plötzlich war sie Realität. Obwohl ich mitten drin war, fühlte es sich an wie ein Traum.

Wir kamen am Milford Sound an. Ich war aufgeregt und wusste nicht, was mich erwartet. Wir begaben uns auf unser Schiff, welches uns für die Nacht Unterkunft gab. Der Aufenthalt auf dem Boot und die Fahrt durch den Milford Sound waren atemberaubend. Wir gingen Kajaken, konnten in das eiskalte Wasser springen und wurden mit sehr leckerem Essen verwöhnt. Die Nacht verbrachten wir auf dem Wasser. Einige Freunde und ich blieben bis spät in die Nacht auf dem Deck des Schiffes. Wir tauschten Erfahrungen aus und betrachteten die Sterne.

Am nächsten Morgen fuhren wir zurück in den Hafen und bestiegen den Bus zur Weiterfahrt. Der nächste Halt war die Kawarau Bridge, DER Ort für Bungy Jumping. Nach einer kurzen Instruktion war es auch schon so weit, wir wurden gewogen und zur Brücke geführt. Der Moment des Sprunges ist unbeschreiblich, ein Gefühl, welches ich noch nie zuvor gespürt habe, Euphorie, Angst, Freiheit - alles in einem. Nach dem Sprung hielt das Lachen im Gesicht an bis nach Queenstown. Die Erkundungstour im kleinen Städtchen schlossen wir mit einem leckeren Burger-Essen ab.

An diese zwei Tage werde ich mich immer erinnern, sie zählen zu meinen schönsten Momenten meines Aufenthaltes in Neuseeland.

Die Leute in Neuseeland

Die Menschen in Neuseeland sind sehr vielfältig. Hier sind alle Nationalitäten vorhanden. Da es eine Kolonie war, trafen zwei komplett unterschiedliche Kulturen aufeinander, was man noch immer merkt. Die Summe dessen ist eine Gesellschaft, die alle Geschlechter, Rassen und sexuellen Orientierungen akzeptiert. Die Menschen hier leben viel entspannter. Es besteht keine kontinuierliche Hektik, wie wir sie in der Schweiz kennen. Das Schulleben ist mehr auf Individuen zugeschnitten, dadurch beginnen viele Schüler hier schon in jungen Jahren ihren Träumen auf realistische Art zu folgen.

Was man unbedingt ausprobieren sollte

Ausprobieren sollte man viele Dinge. Neuseeland ist bekannt für seine Natur. Aktivitäten wie Trampen, Kayaking und viele weitere Outdoorsportarten sind hier weit verbreitet. Ich habe hier im Surfen eine Leidenschaft gefunden, welche mich hoffentlich noch viele Jahre begleiten wird. Es ist auch bekannt für seine Extremsportarten, welche man unbedingt ausprobieren muss.

Kulinarisch gibt es einige Besonderheiten. Die traditionellen Pies, Seafood oder auch die weltweit bekannte Pavlova sind ein Muss, auf jeder Reise die durch Neuseeland führt.

Wieso Neuseeland?

Ich habe schon viele positive Aspekte von Neuseeland aufgezählt, aber hier sind noch einige weitere Gründe, wieso Neuseeland genau für dich perfekt sein könnte. Natürlich ist die englische Sprache ein grosser und wichtiger Teil dieser Erfahrung. Es ist exotisch, die Natur ist atemberaubend schön. Viel weiter als Neuseeland kommt man nicht weg und obwohl die Distanz zum Heimatland riesig ist, findet man hier Ähnlichkeiten. Neuseeland hat für jeden etwas. Es gibt beinahe nichts, das man hier nicht machen kann. Es ist das sichere Australien. Auf den zwei Inseln gibt es nur ein giftiges Tier und der Biss dieses Tieres ist weder tödlich noch irgendwie gefährlich für einen Menschen. Die Kultur der Ureinwohner, der Maori, ist extrem spannend und sehr verbreitet hier. Man kann von ihren Lebensweisheiten und Lebenseinstellungen sehr viel fürs eigene Leben mitnehmen. Egal, wo auf den Inseln man sich befindet, das Meer ist nie weit entfernt. 

Damaris, 2015/2016 in Saint-Basile-le-Grand, Kanada

Ein Austauschjahr in Worte zu fassen ist unmöglich. Müsste ich mein Jahr in Québec jedoch mit nur wenigen Wörtern zusammenfassen, wären diese: einzigartig, abenteuerlich, lehrreich und überraschend. Vor allem Letzteres habe ich täglich von neuem erlebt. Jeden Tag passierte etwas Unerwartetes, etwas Neues, etwas, das ich zuvor noch nie gemacht oder gesehen habe und wahrscheinlich auch nie erlebt hätte, hätte ich den Schritt in ein Austauschjahr nicht gewagt.

Es war für mich schon lange klar, dass ich für ein Schuljahr ins Ausland möchte. Ich habe mich für die Weiten und den kalten Winter des französischsprachigen Kanadas entschieden. Eine gute Entscheidung.

Als ich mich am Abflugstag von meiner Familie und den Freunden verabschiedete und mit drei weiteren angehenden Austauschkanadiern ins Abenteuer startete war die Vorfreude riesig. Angst und Bedenken waren keine da, ich freute mich auf ein perfektes Jahr, so, wie ich es mir seit langem ausmalte.

Doch bereits am Ankunftsflughafen in Montréal wurde klar, dass ein Austauschjahr nicht nach Plan verlaufen kann. Ebenso schnell wurde mir aber auch bewusst, dass es das nicht muss. Viel spannender ist es doch, wenn man nicht weiss, was als Nächstes kommt, wenn jeder Tag eine kleinere oder grössere Überraschung bereit hat, auch von negativen kann nur profitiert werden. Ich verabschiedete mich von der Vorstellung an mein Traumaustauschjahr und liess mich einfach auf das ein, was kam. Und das war gut so.

Durch meine drei Gastfamilien erhielt ich Einblick in drei völlig gegensätzliche Leben. Auch wenn die kanadische Kultur der Schweizer Kultur sehr ähnlich ist, muss man sich an den neuen Ablauf des Alltags gewöhnen. Anfangs verglich ich oft mein Zuhause in der Schweiz mit den Sitten in Kanada. Es gab Sachen, die mir nicht passten, und Gewohnheiten, die ich mir schnell aneignete. Stück für Stück baute ich mir mein eigenes Leben in Kanada auf. Ich kannte mich immer besser aus und wurde selbstständiger. Mit der Zeit hinterfragte ich das kanadische Leben auch nicht mehr so stark und befasste mich nur noch mit den Unterschieden der zwei Kulturen, wenn mich jemand darauf ansprach.

Meine Gastfamilien, Freunde und AFS gaben sich sehr Mühe, mir und meinen Mitaustauschschülern das Jahr möglichst erlebnisreich zu gestalten. An Seen, in tiefen Wäldern, in Chalets und in Zelten verbrachte ich viele meiner Wochenende. Aber auch Städte wie Ottawa, Toronto und New York durfte ich bereisen. Dank vielen kleineren und grösseren Reisen und einigen kulturellen Anlässen bekam ich in nur einem Jahr wahrscheinlich mehr von der Region zu sehen, als viele meiner einheimischen Freunde bislang überhaupt sahen.

Die Menschen sind sehr interessiert, wenn man ihnen erzählt von wo man kommt und was man so weit von zu Hause weg macht. Die Bewunderung über den Mut und den Willen ist gross. Ich führte viele schöne Gespräche und machte unglaublich wertvolle Bekanntschaften.

Am allerschönsten fand ich den Kontakt mit den anderen Austauschschülern. In meiner Region waren wir etwa 25 AFSer aus der ganzen Welt. An grösseren Anlässen kam ein Vielfaches dazu. Trotz den verschieden kulturellen Hintergründen verstanden wir uns untereinander alle auf Anhieb. Anfangs war die Verständigung schwerer und bei jedem Treffen bemerkte man eine Verbesserung der Sprache und am Schluss unterhielten wir uns ausschliesslich auf Québecois. Wir entdeckten gemeinsam ein fremdes Land, welches schlussendlich unsere zweite Heimat wurde. Wir teilten unsere Kulturen und verstehen uns und die Welt nun besser.

Alles in Allem war mein Austauschjahr die beste Entscheidung die ich hätte treffen können. Ich konnte meinen Horizont erweitern, erlernte Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Durchhaltewillen, spannte ein kostbares Freundschaftsnetz über die ganze Welt und erlebte unzählige Abenteuer. 

Nora, 2015/2016 in la Conception, Panama

Kurz gesagt, so ein Austauschjahr ist eine einmalige Gelegenheit. Es ist nicht immer einfach, aber all diese Erfahrungen, ob positiv oder negativ, sind unbezahlbar. Genauso wie die Menschen, welchen man in einem solchen Jahr begegnet.


Seit ziemlich genau 7 Monaten lebe ich bereits in Panama und verbringe hier meinen Schüleraustausch mit AFS. Leider verbleiben mir nur noch weitere 4 Monate. Ich habe mich für einen Austausch entschieden, da ich eine neue Kultur und Sprache erleben wollte. Ebenfalls freute ich mich daruaf, viele neue Leute kennen zu lernen und Freundschaften zu knüpfen.

Mein Start in Panama war nicht immer leicht. Ich tat mich zu Beginn ein bisschen schwer, die Mentalität der Menschen hier zu verstehen, da sich diese zu meiner gewohnten Umgebung in der Schweiz extrem unterscheidet. Jetzt jedoch möchte ich gar nicht mehr nach Hause.

Ich wohne in einem Dorf namens la Conception, welches ganz im Westen von Panama liegt. Da ich einige Schwierigkeiten mit meiner alten Gastfamilie hatte, habe ich die Familie nach rund zwei Monaten gewechselt und lebe seither in meiner jetzigen Gastfamilie, welche ich über alles liebe. Ich hätte zu Beginn nie gedacht, dass ich mich hier jemals so richtig zu Hause fühlen könnte, wie dies heute der Fall ist. Ich wohne gemeinsam mit meiner Gastmutter und meinem Gastvater sowie meiner jüngsten Schwester, 23 Jahre, zusammen. Dann habe ich noch eine ältere Schwester, die bereits ein Kind hat, und einen älteren Bruder. Mit allen Familienmitgliedern verstehe ich mich bestens.

Die Panamenos sind sehr gastfreundliche und relaxte Leute, die sehr viel Wert auf ihre Kultur legen. Ihr Essen, wie auch die traditionellen Kleider (Polleras) und ihre Tänze, die vielen Nationaltage im November – all dies ist ihnen sehr wichtig. Zu einem typisch Panemesischen Essen gehört Reis mit Bohnen, Patagones (fritierte Kochbananen) sowie viel Fleisch (oft frittiert) und all die leckeren, tropischen Früchte.

Ich habe relativ engen Kontakt mit anderen Austauschschülern und wir unternehmen in unserer Freizeit viel gemeinsam. Schulunterricht habe ich jeweils nur am Morgen von 7 bis um 12.30 Uhr.

Zu meinen Highlights hier in Panama gehören die 2 AFS-Reisen auf Bocas und San Blas, was Inselgruppen im karibischen Meer sind, sowie der 5-tägige Carneval in Las Tablas. Aber auch immer, wenn wir wieder mal mit meinem Komitee, welches aus 10 Austauschschülern besteht, an den Strand fahren, freue ich mich riesig.

Kurz gesagt, so ein Austauschjahr ist eine einmalige Gelegenheit. Es ist nicht immer einfach, aber all diese Erfahrungen, ob positiv oder negativ, sind unbezahlbar. Genauso wie die Menschen, welchen man in einem solchen Jahr begegnet.

Anouk, 2015/2016 in Québec, Kanada

Ich habe mich für ein Austauschjahr angemeldet in der Hoffnung, dass ich eine Sprache lernen kann, neue Menschen treffen darf und in eine mir unbekannte Kultur eintauchen darf.     

Zurzeit bin ich mitten in meinem Austausch, auf der anderen Seite des Ozeans, im frankophonen Teil von Kanada, Québec. Hier lebe ich mit einer vier-köpfigen Familie zusammen, genauer genommen bin ich Teil dieser Familie und habe sie somit zu einer fünf-köpfigen Familie gemacht, wenn auch nur für ein Jahr.

Ich besuche hier die Schule, so konnte ich sehr einfach die Sprache lernen. Auch Kontakte zu knüpfen war Dank der Schule sehr einfach. Was mich sehr überrascht hat, ist, dass alles was ich anfangs sehr komisch fand, sehr familiär für mich geworden ist. Zum Beispiel den gelben Schulbus, den man aus den Filmen kennt, nehme ich jeden Tag um zur Schule zu gelangen.

Es gibt viele Sachen, die anders sind als in der Schweiz. Jedoch gibt es zwei Sachen, die mir stark aufgefallen sind. Zum ersten hier ist alles viel grösser und ausgebreiteter. Die Distanzen um von einem Ort zu einem anderen zu gelangen sind viel weiter als in der Schweiz. Zum zweiten ist die Mentalität der Menschen in Québec anders als jede der Schweizer, nach meinem Empfinden sind die Peronen hier entspannter.

Noch habe ich drei Monate hier, in Québec. Ich freue mich, dass ich noch ganz vieles erleben darf, bin aber doch ein bisschen wehmütig darüber, dass ich schon bald mein 2. Zuhause verlassen muss. Jedoch hoffe ich, dass ich auch nach diesem Jahr wieder hierhin zurückkehren kann.

Tishana, 2015/2016 in Gujarat, Indien

Gassi gehen ist auch eine ganz andere Erfahrung in Indien. Es gibt sehr viele Strassenhunde, die einen angreifen, wenn man ihr Revier betritt. Ich muss immer einen Ast mitnehmen, um meinen Hund und mich vor den Streunerhunden zu verteidigen.

Ich bin Tishana, wohne im Aargau und stamme ursprünglich aus Indien. In der Schweiz lebe ich mehr oder weniger nach Schweizer Standarten, weshalb ich nach Indien wollte, um die Indischen Kultur kennenzulernen. Seit meiner Ankunft in Indien, hat sich mein Leben komplett angefangen zu ändern. Meine ersten Monate waren sehr schwer, ich war in einer ziemlich konservativen Familie. Indische konservative Familien sind streng gläubig, sehr indirekt in ihrer Sprache und der Mann hat natürlich immer Vorrang. Ich wusste schon, dass Indien ein konservatives Land war, aber ich dachte, ich werde es locker schaffen mich anzupassen. Doch es ist schwieriger als man glaubt. Ich habe die Familie gewechselt, und bin in jetzt in einer allgemein westlicheren und offenen Familie. Ich lebe mit meinen Gasteltern, Gastschwester, Grossmutter und unserem Hund. In Indien lebt man in Joint-Families, wo manchmal ganze vier Generationen zusammen leben. Gassi gehen ist auch eine ganz andere Erfahrung in Indien. Es gibt sehr viele Strassenhunde, die einen angreifen, wenn man ihr Revier betritt. Ich muss immer einen Ast mitnehmen, um meinen Hund und mich vor den Streunerhunden zu verteidigen. Kühe und Affen laufen hier frei auf den Strassen herum, es kommt vor, dass ganze Kuhherden die Strassen blockieren. Die Kultur in Indien ist sehr divers, die Mehrheit der Bevölkerung ist Hindu. Da gibt es mehr als 100 Götter, die alle ihre eigenen Riten, Mantras und Geschichten haben. In meinem Staat sind alle Hindus Veganer, meine Freunde ekeln sich immer wenn ich ihnen erzähle, was für Sorten Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte man in der Schweiz isst. Das „Essensmuster“ ist hier täglich das gleiche, man kocht 2 bis 3 Variationen Curries und serviert sie mit Reis und Roti (sehr dünne Form von Fladenbrot). Es gibt viele hinduistische Festivals, wo die ganze Nacht getanzt wird, mein Lieblingfestival ist Uttrayan das Kite-Festival. Da ist man für zwei Tage oben auf der Terrasse und lässt Drachen und Laternen steigen.

David, 2015/2016 in Maine, USA

Obwohl ich bereits ahnte, dass die Vereinigten Staaten mehr sind als bloss Hamburger und Coca Cola, richtig bewusst geworden ist mir dies erst hier.


Seit sieben Monaten lebe ich nun in den Vereinigten Staaten - in Maine, um genauer zu sein. Aufgewachsen in Basel, einer Grossstadt für Schweizer Verhältnisse, war es für mich anfangs schon ein wenig gewöhnungsbedürftig in einem 880-Seelen Ort zu leben. Einem sehr ausgestreckten 880-Seelen Ort: Clifton, die Ortschaft in der ich lebe, erstreckt sich auf beinahe 93 Quadratkilometer. Grosse Teile von Clifton sind Wald oder Wasser. Die Wälder hier sind prächtig; Maine ist mehr ein grosser Wald unterbrochen von Ortschaften als Ortschaften unterbrochen von Wald, wie es in der Schweiz der Fall ist. Im Herbst verfärben sich die Bäume in ausgeprägte Rot- und Gelbtöne. Ich habe das Glück, gerade an einem kleinen See zu leben. Parks Pond, der Name jenes Sees, bietet Abkühlung im sehr heissen Sommer und friert im äussert kalten Winter hier zu.

Den besten Überblick über Maines Naturvielfalt habe ich persönlich auf OE Trips bekommen: OE oder Outdoor Education ist ein Fach das meine Schule, Brewer High School, anbietet. Als Alternative zum klassischen Sportunterricht liegt hier der Fokus auf Outdoor-Aktivitäten und Teamwork. Die Campingtrips finden drei mal pro Saison statt und sind ziemlich rau, jedoch viel Spass.

Auch abgesehen von OE ist die Schule hier sehr anders. Los geht's um 7.55 morgens, bis um 2.10 nachmittags. Pro Schultag haben wir vier Lektionen, jede einzelne davon 80 Minuten. Die Lektionen können hier selbst gewählt werden, abgesehen von Mathematik, Englisch und Geschichte, welche Pflichtfächer sind. Das Angebot an "Electives", Wahlfächer, reicht von Computertechnology bis zu Landwirtschaftskunde!

Als Europäer bin ich es mir gewohnt, dass die Leute Jeans und Pullover tragen. Dies ist hier allerdings weniger der Fall: Viele, vor allem Jungs, kommen in Sweatpants oder Sporthosen und Flip Flops zur Schule. Die Aussentemperatur spielt dabei keine Rolle: Ob nun es sommerlich warm oder eisig kalt ist, Shorts und Sweatpants ist was man trägt. Dies trifft natürlich nicht auf alle Schüler zu, aber auf erstaunlich viele.

Mein Wohnort, Clifton, befindet sich etwa 25 Fahrtminute von meiner High School entfernt. Der Weg dorthin unternehmen mein Gastbruder und ich jeden Tag im Auto. Ohne Auto geht hier nichts, öffentliche Verkehrsmittel gibt es überhaupt nicht. Und ein einziges Auto scheint hier vielen Leuten nicht genug zu sein: Meine Gastfamilie besitzt stolze sieben Fahrzeuge, wobei drei oder vier davon meinem Gastvater bei der Arbeit dienen.

In den sieben Monaten hier sind mir einige Dinge bewusst geworden. Obwohl ich bereits ahnte, dass die Vereinigten Staaten mehr sind als bloss Hamburger und Coca Cola, richtig bewusst geworden ist mir dies erst hier. Die High School ist nicht ein einziges Partyleben, vor allem nicht für Austauschschüler: Alkohol- oder Drogenkonsum ist strikt verboten und als Austauschschüler kann man selbst dann nach Hause geschickt werden, wenn man sich im selben Haus als jemand minderjährigem der Alkohol konsumiert befindet.

Ein Vorurteil, dass viele den Amerikaner gegenüber haben, ist, dass die Leute in den Vereinigten Staaten eher nicht viel wissen und nicht sonderlich gescheit sind. Das trifft allerdings nur zum teil zu. Ich habe viele Leute kennen gelernt, die sehr gescheit sind. Im Grossen und Ganzen denke ich, dass die Leute hier sich schlicht weniger um die Aussenwelt kümmern und es deshalb nicht als nötig betrachten, mehr Wissen anzureichern.

Oftmals sind die Menschen hier sehr herzlich. Als ich hier ankam, im August 2015, wurde ich mit offenen Armen empfangen. Meine Gastfamilie hat mich von Tag 1 weg als Mitglied der Familie behandelt. Ich hatte viel Glück mit meiner Familie. Ich weiss von vielen anderen Austauschschülern, welche Schwierigkeiten mit ihren Gastfamilien hatten oder diese selbst wechseln mussten. Ich habe mich seit ich hier ankam schon wohlgefühlt.

Viele Leute hier fragen mich, ob ich Heimweh habe. Es wäre verständlich, immerhin habe ich meine Freunde und Familie seit sieben Monaten nicht gesehen. Die einzige Zeit, in der ich manchmal Heimweh hatte, war der erste Monat in dem ich hier war. Sobald die Schule begann und ich beschäftigt war, hatte ich keine Zeit mehr um über zu Hause nach zu denken. Ich habe festgestellt, dass die Momente in denen ich Heimweh bin, jene sind in denen ich alleine bin oder mich langweile. Und oft ist es nicht Heimweh, sondern eine Sehnsucht nach dem Essen, dem eigenen Bett oder einem Wort in Schweizerdeutsch. Und in meinem Fall, die Sehnsucht wieder einmal mit unserem Hund spazieren können zu gehen.

Obwohl es manchmal sehr schwer sein kann, für zehn Monate in einem anderen Land zu leben, denke ich, dass es all die Schwierigkeiten und Herausforderungen wert sind. Ich habe so viel gelernt, nicht nur über Amerika, sondern auch über mich selbst. Ich habe so viele wundervolle Menschen angetroffen und ich habe Freunde die über den gesamten Globus verstreut leben. Ich denke, dass jeder von einem Auslandsjahr profitieren kann!

 

David, Austauschschüler mit AFS in Clifton, Maine, Schuljahr 2015/2016

Cindy, 2015/2016 in Duluth, Minnesota

Ich fand es anfangs etwas speziell, das Amerikaner hier zum Abendessen Milch trinken, weshalb ich diejenige bin, die immer das Wasserglas bekommt.

Momentan lebe ich weit, weit im Norden der Vereinigten Staaten, in Duluth, Minnesota. Meine Gasteltern, die Olsens, sind schon im Senioren Alter, weswegen sie auch schon Grosskinder haben. Diese sind unsere Nachbaren und wir sehen uns täglich. Ich weiss noch ganz genau, wie meine erste Woche mit meiner Gastfamilie war. Sie haben mich mit offenen Armen empfangen und gleich am ersten Tag, nachdem sie mich von dem Hotel in Minneapolis abgeholt haben, sind wir zu einem Open Air Movie gegangen. Ich fand es Anfangs etwas speziell, das Amerikaner hier zum Abendessen Milch trinken, weshalb ich diejenige bin, die immer das Wasserglas bekommt.

Meine Gastfamilie habe ich sehr schnell in mein Herz geschlossen. Sie sind alle sehr liebevoll und lustig. Ich bin dankbar, dass ich einen Monat vor dem Schulstart mit ihnen verbringen durfte, da ich sie dabei besser kennenlernen konnte. Es war mir sehr wichtig ein gutes Verhältnis mit allen aufbauen zu können!

Der Kulturschock für mich war nicht besonders groß, dafür die Kälte. Hier kann es bis zu - 40 C werden, und ich habe mit drei Pullovern immernoch gefroren. Dieses Jahr war der normalerweise lange Winter wärmer als sonst, was mich sehr freute. Es war erstaunlich, dass ich bei -5 C mit Tennisschuhen und einer leichten Jacke hinaus gehen konnte.

Die High School war etwas schwierig für mich. Die Lehrer waren schwierig zu verstehen und ich konnte ohne Hilfe meiner Gasteltern meine Hausaufgaben nicht machen. Mit der Zeit wurde es jedoch viel, viel einfacher, da ich angefangen habe in Englisch zu denken/träumen. Ich lebe in einer Kleinstadt mit 9,605 Einwohner, wo sich jeder kennt, und die Schüler sind schon ihn ganzes Leben lang befreundet. Die Gruppen waren deshalb sehr eng, aber mit der Zeit konnte ich viele Menschen kennenlernen, darunter auch meine besten Freunde. Das Niveau der Schule ist meiner Meinung nach einfacher als in der Schweiz. Die Abschlussprüfungen sind nach jedem Semester und um die High School abzuschließen braucht man genügende Credits, nicht eine Matura. Ich musste darauf achten, nicht zu einfache Fächer zu wählen, da ich nach meinem Austausch fit für das Gymnasium sein muss. Ich habe deshalb einige schwierige, wissenschaftliche Klassen und dazu noch Chor und Zeichnen, eine gute Mischung! Was mir sehr gefällt ist der Schulgeist. In den Staaten ist die Schule nicht nur für die Bildung, das soziale Leben findet dort auch statt. Alle tragen Kleider mit dem Namen unserer High School und praktizieren verschiedene Sportarten. Es war mir besonders wichtig, nicht die ganze Zeit im Haus zu sitzen und nichts zu machen, weswegen ich selbst mit Basketball angefangen habe. Die Saison war sehr aufregend, auch wenn wir nicht sehr erfolgreich in den Spielen gegen andere Schulen waren. Ich habe mir mit diesem Sport viele großartige Freunde gemacht, und bin dabei fit geblieben. Als nächstes fange ich mit Track & Field an und ich freue mich schon sehr. Hockey ist hier im Norden ein sehr wichtiger Sport. Die meisten Kinder fangen schon jung an und in der ganzen Nation gehört meine Hermantown High School zu den Besten. Letzte Woche war das Staaten Turnier, wo meine Schule in den letzten 6 Jahren immer 2. Platzierte geworden sind. Dieses Jahr waren wir State Champions und es war ein unvergessliches Erlebnis, wahrscheinlich mein Bestes.

Mein Ziel, bevor ich hierhin gereist bis, war natürlich die Sprache besser zu meistern, aber vor allem offener zu werden. Amerikaner können sehr oberflächlich sein, jedoch sind sie meistens sehr locker und interessiert. Ich kann nun einfach mit Leuten ein Gespräch beginnen, ohne Angst. Ich denke, jeder Austauschschüler sollte sich ein Ziel setzen, bevor der großen Reise ins neue Land.

 

Liebe Grüße & See you soon,

Cindy Batchy-Tom

Laura, 2014 in Wainuiomata, Neuseeland

Endlich in Wellington angekommen wurde ich von meiner Gastmutter abgeholt. Auf der Heimfahrt hat sie mir dann einen Ausblick gezeigt, den ich heute noch als den schönsten, den ich je gesehen habe, empfinde und den ich auch mit „Daheim“ verbind: vom Wainuiomata Hill die ganze Bucht von Wellington zu sehen.

 

Ende Februar 2014 mussten ich und zwei weitere Austauschschülerinnen uns von unseren Familien am Flughafen in Kloten verabschieden. Realisiert, dass unser Abenteuer jetzt wirklich losging, haben wir erst einige Stunden später, als wir uns im Flughafen von Dubai versuchten zurechtzufinden. Es waren bizarre Momente, als wir endlich in Neuseeland ankamen und uns auf unsere jeweiligen Inlandflüge verteilten. Plötzlich war ich auf mich alleine gestellt und eine riesige Nervosität machte sich breit. Endlich in Wellington angekommen wurde ich von meiner Gastmutter abgeholt. Auf der Heimfahrt hat sie mir dann einen Ausblick gezeigt, den ich heute noch als den schönsten, den ich je gesehen habe, empfinde und den ich auch mit „Daheim“ verbinde, vom Wainuiomata Hill die ganze Bucht von Wellington zu sehen. Schon am nächsten Tag begann der Ernst des Austauschschülers. In der Schule anmelden und die Uniform kaufen. Es war eine definitiv andere Erfahrung, nach der kaum vorhandenen Kleiderordnung der Stiftsschule Einsiedeln alle Schüler gleich angezogen zu sehen. Am folgenden Montag (ich kam am Mittwoch an) war dann mein erster Schultag. Während dem ganzen Tag stellte ich mich gefühlte 30-mal vor und versuchte, mir etwa 50 Namen von Klassenkameraden zu merken. Mein Englisch war zwar ziemlich gut, aber die Schule fiel mir am Anfang nicht wirklich leicht. Die benötigten Fachbegriffe kannte ich nicht, aber zum Glück fand ich schon am ersten Tag Freunde, die bis heute einige meiner liebsten Kiwis sind. So haben sie und auch meine Lehrer versucht, mir einiges auf den einfachst möglichen Weg zu erklären oder aus meinen katastrophalen Versuchen etwas zu sagen, zu erkennen, was ich genau meinte. Ich lebte mich aber sehr schnell ein und hatte bald keine Probleme mehr, mich zu verständigen und schrieb sogar ziemlich gute Noten. Ausserhalb der Schule begann ich mit Karate, was mir einige blaue Flecken und blutige Lippen einbrachte, aber auch Freundschaften ausserhalb meines Schulalltags. Während meinem Jahr in Neuseeland hatten wir einige Lager und Ausflüge mit AFS, so zum Beispiel das Arrival oder das Leavers Camp. Die Entwicklung, die wir wohl alle während unserer Zeit in NZ durchmachten, konnten wir an den anderen Austauschschülern gut erkennen. Dazwischen sind wir mit einer Gruppe in Wellington auf Matiu-/Somes-Island gegangen, vor allem um Pinguine zu sehen.

In der Zeit, die ich an der Wainuiomata High School verbrachte, traf ich aber nicht nur tolle Menschen, sondern erfuhr viel über die dortigen Kulturen. So lernte ich in den ersten paar Wochen unseren Schul-Haka und einige Worte sowohl in Maori (Te Reo) als auch Samoan. Auch fand ich durch Freunde die Faszination am Sport Rugby. Zudem kann ich heute den ganzen Text der Neuseeländischen Nationalhymne, während ich etwa 3 Zeilen der Schweizer Hymne knapp hinbringe.

Bis heute habe ich Kontakt zu einigen meiner Kiwifreunde und freue mich jetzt schon darauf, sie wieder in meiner zweiten Heimat zu besuchen oder Besuch von ihnen und anderen Austauschschülern zu erhalten. Somit fand ich durch AFS eine zweite Heimat, eine zweite Familie und dazu viele tolle Erfahrungen, die ich nie vergessen werde.

Paula, 2015/2016 in San Juan, Argentinien (Teil 1)

Ich kann dir nicht versprechen, dass es das beste Jahr deines Lebens wird. Denn du wirst schwierige Situationen erleben, du wirst einiges nicht verstehen und manchmal einfach nur nach Hause wollen. Aber es wird einzigartig sein. Du wirst neue Freunde finden, selbstständiger werden und dich selber besser kennenlernen. Wünschst du dir nicht auch manchmal in den Ferien, du könntest diese Kultur so richtig verstehen und in das Leben in diesem fremden Land eintauchen? Das Alles kannst du in einem Austauschjahr erleben.

Was hat dich dazu motiviert, ein Austauschjahr zu absolvieren?

Ich bin mit meinen Eltern immer viel gereist. Andere Kulturen, anderes Essen, das fand ich schon immer spannend. Dabei bedauerte ich es immer, dass ich als Tourist die Menschen in diesem Land nicht richtig kennenlernen kann. Dass ich dies viel intensiver mit einem Auslandsjahr erleben kann, habe ich erst realisiert, als meine Cousine ein Austauschjahr in Venezuela gemacht hat.

Warum hast du Argentinien als Gastland gewählt?

Nun, mir war zuerst mal wichtig, dass das Land nicht in Europa liegt. Ich wünschte mir einen Einblick in eine möglichst andere Kultur. Zudem hatte ich Angst, dass wenn ich nur 5 Stunden von Zuhause entfernt bin, ich viel eher in Versuchung kommen würde, alles abzubrechen und ein Ticket nach Hause zu kaufen. Auch die Musik von Argentinien hat mich fasziniert, da sie so anders ist und rein gar nichts mit der „klassischen Musik“ zu tun hat. Nicht nur Tango, auch lateinamerikanische Musik und Folklore wie Samba sind ein grosser Teil ihrer Kultur.

Wo in Argentinien lebst du gerade, und wie muss man sich deine Umgebung vorstellen?

Ich lebe in der Provinz San Juan in der Nähe zu Mendoza, im Cuyo. San Juan liegt in einem riesigen Tal, umgeben von Bergen, den Anden. Es ist trocken, sandig, heiss und windig. Aber dann ist es plötzlich wieder kalt. Das Wetter ist extrem wechselhaft und es kann sein, dass es an einem Tag 15 Grad hat und am nächsten über 30 Grad. Aber wir haben ja im Moment auch noch Frühling.

Wie hat sich dein Alltag im Vergleich zur Schweiz verändert?

Der grösste Unterschied ist die zeitliche Einteilung des Tages. Die Schule beginnt hier für mich um 12:30 Uhr und dauert bis 19:00 Uhr, oder auch länger für andere. Auch die Essenszeiten sind anders. Mittagessen ist um etwa 2 Uhr nachmittags oder später, und Abendessen zwischen 10 und 12 Uhr nachts. Alles ist um einige Stunden nach hinten verschoben. Allgemein schlafen die Menschen hier auch weniger, das ist nicht so wichtig.

Was sind die grössten kulturellen Unterschiede?

Einer der grössten Unterschiede überhaupt ist, wie persönlich die Menschen miteinander umgehen. Zur Begrüssung küsst man sich auf beideWangen, auch wenn man sich nicht kennt, und man duzt sich. Auch Lehrer werden teilweise beim Vornamen gerufen oder auch einfach nur „profe“. Auf jeden Fall ist der Umgang viel direkter und persönlicher. Das Verkehrssystem ist am Anfang, wenn man aus der Schweiz kommt, die reinste Hölle. Man empfindet es als total chaotisch und alle fahren mit einem hohen Tempo, dass man um sein Leben bangt, wenn man Bus fährt. Viele telefonieren auch während dem Fahren oder machen sonst noch irgendwas anderes, so dass sie aber auch sicher einhändig fahren. Wichtig ist auch, dass man eigentlich nicht alleine in seinem Zimmer hockt. Das ist sogar eher unhöflich. Ich musste meiner Gastfamilie versichern, dass wenn ich es manchmal tue, ich es nicht böse meine. Es hat nur damit zu tun, dass ich manchmal eine Pause brauche. Normalerweise sitzt man zusammen am Tisch oder im Wohnzimmer. Das heisst nicht, dass man was zusammen macht, man ist einfach nicht alleine im Zimmer – ausser vielleicht zum Lernen.

Was gefällt dir besonders an deinem Gastland?

Mate, Dulce de Leche und Bäume. Ich weiss, das hört sich merkwürdig an, aber ich mag die Bäume hier wirklich. Eigentlich ist jede Strasse auf beiden Seiten mit Bäumen gesäumt. Das gibt den Strassen eine tolle Atmosphäre. Das Getränk Mate ist schon nach dieser kurzen Zeit zu einem wichtigen Bestandteil in meinem Leben geworden. Jeden Abend trinke ich mit meiner Gastmutter und mit meiner Gastschwester zusammen Mate. Dazu essen wir Crackers mit Dulce de Leche. Das ist ein karamellartiger, dickflüssiger Aufstrich, der echt süss ist. Das argentinische Fleisch ist unglaublich gut! Man kann sich das vorher gar nicht vorstellen, aber es ist wirklich, wirklich gut. „Asado“, also ein Grillfest, ist in ihrer Kultur ziemlich wichtig. Die Mengen an Fleisch, die sie essen, sind unglaublich. Aber ich habe ehrlich gesagt nichts dagegen. :)

Was waren die grössten Herausforderungen bisher und wer hat dich dabei besonders unterstützt?

Besondere Unterstützung erhalte ich von meiner Gastmutter und meiner Gastschwester. Sie geben mir alle Informationen und Tipps für den Alltag. Helfen mir wenn ich den richtigen Bus nicht finde oder einen Musiklehrer für mich suche. Ausserdem bekomme ich durch den Austausch mit der AFS-Orientación’s nochmals Sicherheit in meinen Entscheidungen und Einschätzungen. Die meisten AFS Volunteers haben auch ein Austauschjahr gemacht und können deshalb auch am besten nachvollziehen, was für Informationen für mich am wichtigsten und hilfreichsten sind.

Was brachte dir das Austauschjahr bisher? Wie hat es dich verändert und bereichert?

Da ich ja vorher gar kein Spanisch konnte, musste ich mich bisher vor allem auf die Körpersprache verlassen. Die Argentinier machen es da einem ein bisschen leichter, da sie meistens mit den Händen mitsprechen. Natürlich muss man da auch beachten, dass gewisse Gesten hier eine andere Bedeutung haben. Ausserdem musste ich lernen, andere Menschen einzuschätzen, ohne sie wirklich wörtlich zu verstehen. Ich kann jetzt nicht sagen, dass mich der Austausch bisher mutiger gemacht hat. Aber ich bin auf jeden Fall nicht mehr so schnell verlegen. Man erlebt so viele kleine Missverständnisse, macht viele kleine Fehler, dass es irgendwann nicht mehr so peinlich ist und ich einfach denke: „Ach, was soll’s. Jeder macht Fehler.“

Was würdest du gerne aus Argentinien mit nach Hause nehmen, was es in der Schweiz nicht gibt?

Also im kulinarischen Bereich würde ich definitiv Dulce de Leche und Mate mitnehmen, die beiden Dinge bestimmen meinen Alltag hier. Mate ist mehr als ein Getränk, die Art der Zubereitung und das Trinken in der Gemeinschaft haben eine grosse Bedeutung und spiegeln die argentinische Kultur. Ihr ausgeprägter Sinn für Familie und Freunde, wie wichtig das im Leben ist und dass man jeden Moment davon geniessen soll, gefallen mir sehr.

Paula, 2015/2016 in San Juan, Argentinien (Teil 2)

Life begins at the end of your comfort zone. Ein Austauschjahr ist sowohl das beste als auch das schlimmste Jahr deines Lebens. Du musst aus deiner Komfortzone herauskommen und dich trauen fremde Leute anzusprechen oder Neues auszuprobieren. Du wirst erwachsener, selbstständiger und weisst, was du willst.

All das habe ich während meines Austauschs in Argentinien, San Juan, gelernt. Auf einmal musste ich mich mit meinen Mitschülern und Lehrern auf Spanisch verständigen, obwohl ich selber diese Sprache gar nicht konnte. Als Resultat benutzte ich während der ersten Wochen meine ganz eigene Version der Zeichensprache. Trotz anfänglichen Mühen habe ich im Sprachbereich schnelle Fortschritte gemacht. Nach 4 Wochen konnte ich die einfachen Fragen wie "Wie heisst du?" und "Wie alt bist du?" richtig beantworten. Die erste fliessende Konversation konnte ich nach drei Monaten führen, was einer der besten Momente des ganzen Jahrs war.

Nicht nur mit der Sprache habe ich gehadert, auch das Klima und das Essen waren ungewohnt. Von einem Tag auf den anderen lebte ich nicht mehr in der regnerischen Schweiz sondern in einer Halbwüste mit ganz viel Sonnenschein. Das kann schon mal zu Schwierigkeiten führen, vor allem, wenn man Sonnenallergie hat. Doch dieses Hindernis konnte ich überwinden, wie auch das viele Fleischessen, das ich mir nicht gewohnt war. Denn die Argentinier lieben ihr Fleisch und machen ausgezeichnete Asados - BBQs. Natürlich wurde ich, was das angeht, auch sehr beeinflusst und mag das Fleisch hier in der Schweiz nun nicht mehr so gerne wie auch schon einmal.

Mit der Kultur und der Mentalität der Menschen hatte ich die grössten Schwierigkeiten. Viele Leute dort hatten eine Denkweise, die man hier in der Schweiz als konservativ bezeichnet. Dazu gehören Themen wie z.B. Teenagerschwangerschaften, was einem zuerst mal völlig überwältigt, wenn man das dort in der Schule zum ersten Mal sieht. Doch mit der Zeit habe ich gelernt, es zu akzeptieren, denn ich wusste, ich konnte die Menschen dort nicht ändern. So lebte ich mich nach einem halben Jahr gut ein.

Ein Austauschjahr ist eine Achterbahn. Das wird einem von AFS so oft erzählt, dass man es irgendwann selber auswendig kann. Und sie haben recht damit. Es gab viele Ups und Downs. Eines der Downs war der Wechsel der Gastfamilie. Es war eine schwierige Zeit, als ich nicht wusste, ob ich jetzt wechseln soll oder nicht. Schlussendlich habe mich dafür entschieden und es ging mir auch gleich besser bei der neuen Familie. Deshalb rate ich jedem, der Probleme oder Schwierigkeiten mit der Familie hat, nicht 7 Monate zu warten. Manchmal klappt es einfach nicht und dann ist es besser weiterzuziehen. Jetzt habe ich eine zweite, liebevolle Familie dazugewonnen, an die ich mich jederzeit wenden kann. Ich hatte zum ersten Mal Geschwister in meinem Leben. Meine zwei Brüder, Facundo und Agustin, sind zu zwei der mir wichtigsten Menschen geworden. Immer noch habe ich Kontakt und tausche mich mit ihnen aus. Wir haben vor, uns gegenseitig zu besuchen, sobald es möglich ist.

Während diesem letzten Jahr ist ein Spruch zu meinem Lebensmotto geworden: Accept what is, let go of what was and have trust in what will be.

Giulia, 2012/2013 in Tasmanien, Australien

Ich erinnere mich auch noch gut an die zwei Buschfeuer und die acht überfahrenen Kängurus auf dem Weg. ‚Welcome in Australia’, sagte meine Welcome­-Gastmutter dazu.

Es war schon immer mein Traum, ein Austauschjahr zu machen. Mein Vater verbrachte ein Jahr in den USA, als er in meinem Alter war. Durch ihn hatte ich die Motivation, ein Jahr in der Ferne zu verbringen. Schon als kleines Mädchen sagte ich immer, ich würde eines Tages ebenfalls ein Austauschjahr machen. Meine Mutter wollte mir nie glauben, bis ich ihr schliesslich die schon ausgefüllten Anmeldeformulare auf den Schreibtisch legte.

Nach langem Überlegen beschloss ich, mein Abenteuer in Australien zu verbringen. Mein Vater sagte mir immer lachend, ich werde irgendwo im Outback landen, kilometerweit vom nächsten Lebensmittelladen und meine Freizeit mit Kängurus verbringen. Trotzdem war es einer der besten Entscheidungen, die ich bis jetzt gemacht habe. Als ich dann erfuhr, dass die Reise nach Tasmanien gehen sollte, hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten wird. Mein Vater lachte mich zuerst wieder aus, da Tasmanien eine ziemlich grosse Insel mit 500'000 Einwohner ist. Man kann sich das so vorstellen, dass die gesamte Bevölkerung von Zürich auf einer Fläche doppelt so gross wie die Schweiz verteilt wäre, dann hätte man etwa die Bevölkerungsdichte von Tasmanien. Als wir uns aber mehr über Tasmanien informierten, wurde die ganze Familie eifersüchtig. Ich habe mich sofort in die Insel verliebt, als ich nach einem unendlich langen Flug dort ankam. Es war Sommer und sehr heiss, als ich mit meinem dicken Winterpullover aus dem Flugzeug stieg. Die Fahrt vom kleinen Flughafen zu meinem neuen Zuhause erschien mir wie in einem Traum. Die kleinen Siedlungen, die charakteristischen Gumtrees und vor allem die wunderschöne Küsten an denen wir vorbeifuhren, waren für mich das Schönste, das ich in Ewigkeiten gesehen hatte. Ich erinnere mich auch noch gut an die zwei Buschfeuer und die acht überfahrenen Kängurus auf dem Weg. ‚Welcome in Australia’, sagte meine Welcome­-Gastmutter dazu.

Ich hatte eine ‚Wilkommensfamilie’ für die ersten 5 Tage meines Aufenthalts. Dies, da ich meine richtige Gastfamilie erst etwa eine Woche vor meinem Abflug bekommen hatte. Ich war in der Schule, um meinen letzten Schultag in der Schweiz zu geniessen, als mir meine Mutter ein SMS schrieb. AFS hätte eine Gastfamilie gefunden! Ich sprang vor Freude in meinem Klassenzimmer herum. Das war der beste letzte Schultag den ich mir wünschen könnte. Meine Gastfamilie wohnte in Taroona, eine friedliche Gegend in der Nähe von Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien. Wir hatten ein kleines Einfamilienhaus neben Taroona Beach, ein einsamer Strand mit klarem, blauem Wasser. Meine Familie in Australien war ein kleiner, positiver Schock. Ich hatte drei jüngere Brüder, weshalb immer etwas los war. Ich kam manchmal von der Schule nach Hause und traf auf ein Dutzend Freunde meiner Gastbrüder und deren Eltern. Sie liebten es, spontan die halbe Nachbarschaft zum Abendessen einzuladen. Es wurde nie langweilig. Auch waren alle sehr sportlich und aktiv. Wenn ich am Wochenende mal nichts zu tun hatte, konnte ich einfach mit ihnen Fischen, Tauchen oder Fussballspielen gehen. Für mich war meine Gastfamilie eines der schönsten Dinge meines Austauschjahrs, wenn nicht das Schönste.

Meine Gastfamilie war einer der grössten Unterschiede zu meinem Leben zuhause. Zuhause habe ich eine Zwillingsschwester. Meine Eltern und wir sind oft erst spät zuhause und immer sehr verplant. Das Leben in Australien war viel entspannter und spontaner. Das habe ich auch in der Schule gemerkt. Ich besuchte ein College in Hobart. Das College war für alle Schüler im Year 11 und Year 12. Das ganze Schulsystem unterschied sich gewaltig von dem in der Schweiz. Ich hatte nur 5 Schulfächer, English Foundation, French, Maths Applied, Production (Musical) und Live Drawing (Kunst). Meine Lehrer waren ebenfalls sehr entspannt und behandelten mich wie eine gute Freundin. Auch meine Mitschüler waren von Anfang an sehr freundlich und ich lebte mich schnell bei ihnen ein. Wir hatten neben der Schule viel Freizeit und verbrachten sie oft mit Spaziergängen in Hobart. Ich vermisse meine Zeit am Elizabeth College, da es das einfachste und erfahrungsreichste Schuljahr war, das ich bis jetzt hatte. Was ich auch sehr vermisse, ist mein Volleyballteam in Australien. Ich habe am Anfang meiner Schulzeit spontan entschlossen, Volleyball zu spielen. Teil eines Sportvereins zu sein, machte es viel einfacher für mich, mich schnell einzuleben und gute Freunde zu machen. Volleyball war das Beste an meiner Schule.

Das Schönste an meinem Gastland war seine Vielfältigkeit und die Menschen, die dort lebten. Ich dachte Australien wäre ziemlich eintönig und sähe überall etwa gleich aus. Als ich dann aber mit meiner Gastfamilie, AFS oder meiner Schule auf Reisen ging, merkte ich, wie sehr ich mich getäuscht hatte. Ich ging auf eine Safari mit Austauschschüler in Western Australia, besuchte das Sydney Opera House mit dem Music Department meiner Schule, reiste nach Melbourne, um mit meinem Volleyballteam an dem Australian Volleybal School Cup teilzunehmen und besuchte verschiedene Orte Tasmaniens mit meiner Gastfamilie. Jedes Mal kam ich überrascht und fasziniert von einer Reise zurück. Ich könnte stundenlang von einer dieser Reisen erzählen, es gab mir jedes mal so viele neue Eindrücke. Mit jeder Reise und jedem Monat, den ich in Australien verbrachte, schloss ich mein Gastland ein bisschen mehr ins Herz. Das gleiche gilt für die unglaublich freundlichen und liebenswürdigen Menschen, die Teil meines Lebens in Tasmanien wurden. Ich hätte mir keine bessere Gastfamilie und keinen besseren Freundeskreis wünschen können.

Es gab auch Momente in meinem Austauschjahr, in denen es mir weniger gut ging. Vor allem am Anfang wurde ich schnell traurig. Ich kannte noch fast Niemanden und war oft müde von der fremden Sprache. Ich hatte trotzdem nie richtiges Heimweh. Es gab aber manchmal Tagen, an denen ich einfach erschöpft und fertig war von all den neuen Eindrücken und Menschen. In solchen Momenten war meine Zwillingsschwester eine grosse Hilfe. Sie war zur selben Zeit in einem Austauschjahr in Neuseeland. Da wir das gleiche durchmachten, war es einfach, mit ihr darüber zu reden. Am Schluss meines Jahres hatte ich ein komplettes Gefühlschaos. Ich denke, der schwierigste Teil meines Austauschjahres war es, wieder nach Hause zu gehen. Ich war ziemlich fertig und weinte fast meinen ganzen Flug. Zur selben Zeit war ich aber auch froh, meine Familie und Freunde wieder zu sehen. Meine Heimreise dauerte im Ganzen um die 35 Stunden. Ich musste alleine fliegen, da ich die einzige Austauschschülerin aus der Schweiz in Tasmanien war. Zum Glück traf ich auf der Reise einige nette, allein reisenden Studenten oder Damen, welche mich etwas aufheiterten. Wenn ich so zurückdenke, muss ich lachen. Sie tun mir etwas Leid. Ich habe ihnen halb weinend, halb lachend über mein ganzes Austauschjahr berichtet und sie mussten sich alles anhören.

Durch mein Austauschjahr habe ich sehr viel über mich gelernt. Ich weiss jetzt viel besser, wer ich bin und was ich gut kann und was nicht. Ausserdem schätze ich mein Zuhause und meine Familie und Freunde jetzt viel mehr. Ich habe gelernt, wie wichtig einige Dinge sind, die ich vorher gar nicht wahrgenommen habe. Mein Austauschjahr war die beste Erfahrung meines Lebens und ich würde sie mit nichts in der Welt tauschen. Ich kann jedem, der über ein Austauschjahr nachdenkt sagen, trau dich und tu es einfach. Du wirst es nicht bereuen. 

Chiara, 2014/2015 in Sucre, Bolivien

Was hat dich dazu motiviert, ein Austauschjahr zu absolvieren?

Es waren verschiedene Sachen, die mich dazu motiviert haben ein Austauschjahr zu absolvieren. Zum einen war ich schon immer sehr reisebegeistert und abenteuerlustig. Logischerweise war selbstverständlich auch der Einblick in eine neue Kultur für mich motivierend, aber am meisten, denke ich, hat es mich motiviert eine oder gleich mehrere neue Sprachen zu lernen, da ich sehr wissbegierig bin.

Warum hast du Bolivien als Gastland gewählt?

Weil ich wusste, dass ich Spanisch lernen wollte, aber nicht nach Spanien. Ich habe mir dann die südamerikanischen Länder im Internet ein bisschen angeschaut und mich schlussendlich für Bolivien entschieden, weil es noch das unterentwickelteste Land von allen ist und den grössten Anteil an indigenen Leuten hat. Dies ist allerdings auf keinen Fall negativ zu verstehen, ganz im Gegenteil, das waren die Dinge, die mich am meisten fasziniert und interessiert haben und mir sozusagen das grösste Abenteuer versprachen. Ich durfte so nämlich durch die Leute auf den Strassen sogar noch ein bisschen Quechua lernen, worauf ich sehr stolz bin. Andererseits war Bolivien auch optimal, weil ich die Berge und das Hochland liebe und nicht unbedingt so gerne am Meer bin.

Wo in Bolivien hast du gelebt und wie muss man sich die Umgebung dort vorstellen?

Ich habe in Sucre, der Hauptstadt gelebt. Sucre ist eine eher kleinere Stadt für bolivianische Verhältnisse. Im Zentrum ist die ganze Stadt weiss, also die Häuser, weshalb die Stadt auch „La ciudad blanca“ also „Die weisse Stadt“ genannt wird. In der Stadt selber ist alles ausser dem Park und der „Plaza“ aus Stein. Die ländliche Umgebung ist sehr trocken, da Sucre auf ca. 2800 m.ü.M. liegt und das 19° südlich des Äquators. Dh. es ist das ganze Jahr über um die 20°C und es Regnet nur einige wenige Male im Jahr.

Wie hat sich dein Alltag in Bolivien von dem in der Schweiz unterschieden?

In der Schweiz gehe ich aufs Gymnasium und mache selbstverständlich meine Hausaufgaben und lerne für Prüfungen, sprich, ich habe in der Schweiz einen genauen Tagesrhytmus mit festgelegten Zeiten etc. und es läuft meistens alles wie geplant. In Bolivien jedoch gibt es so etwas nicht. Dort gestaltet man seinen Tag nach Lust und Laune. Am Anfang musste ich mich sehr bemühen um mich daran zu gewöhnen aber danach war es das beste, was man sich vorstellen kann. Man lebt nämlich einfach ohne sich die ganze Zeit irgendwelche Gedanken zu machen oder alles strikt durchzuplanen. Darum sind dort auch viel weniger Leute gestresst als hier bei uns. Allgemein kann man sagen, dass das Leben dort um einiges gelassener ist und sie ungefähr folgendes Motto haben: „Nimm das Leben nicht zu ernst, denn am Ende kommt sowieso niemand lebendig heraus“.

Was sind die grössten kulturellen Unterschiede?

Da könnte ich 1000 aufschreiben, darum habe ich schon als ich dort war aufgehört Bolivien mit der Schweiz zu vergleichen, weil man die beiden Länder schlichtweg einfach nicht vergleichen kann. Zwei Punkte, welche mir allerdings besonders aufgefallen sind, sind, dass zum einen die bolivianische Kultur viel stärker (auch durch riesige Feste etc.) ausgelebt wird als in der Schweiz und zum anderen die einzige Regel, die in Bolivien gilt, ist, dass die Regeln zum brechen da sind (das habe ich schon in meiner ersten Woche dort gelernt) , was man sich in der Schweiz nicht einmal im Traum vorstellen kann.

Was gefällt dir besonders an deinem Gastland?

Eigentlich alles. Ich liebe es einfach so wie es ist mit allem drum und dran, denn wenn etwas fehlen würde, wäre es nicht Bolivien und ich liebe Bolivien! Es tut mir wirklich leid, aber ich kann echt nicht sagen, was mir am besten gefallen hat, weil es einfach ein Zusammenspiel aller Faktoren war, das es schlussendlich zu diesem wunderbaren und einzigartigen Land machen.

Was waren die grössten Herausforderungen und wer hat dich dabei besonders unterstützt?

Die grösste Herausforderung war Anfangs ganz klar, dass ich meinen Perfektionismus „abstellen“und aufhören musste das bolivianische Leben mit dem in der Schweiz zu vergleichen, denn mit dem kommt man dort nicht weiter. Dabei hat mir vor allem meine beste Freundin Alejandra (ein Mädchen aus meiner dortigen Klasse, das ich kennenlernen und so eine Freundin fürs Leben  gewinnen durfte) sehr geholfen, da sie von Anfang an für mich da war und versucht hat mich und damit eine völlig andere Mentalität zu verstehen.

Was brachte dir das Austauschjahr bisher?

Wie hat es dich verändert und bereichert? Es hat mich durch alle positiven wie auch negativen Erfahrungen sehr viel reifer gemacht, auf jeden Fall meinen Horizont um tausende von Kilometern erweitert, es hat mir Freunde geschenkt für die ich so dankbar bin, ich durfte wunderschöne Orte bereisen, gleich zwei neue Sprachen lernen und so weiter. Die Liste ist ellenlang! Ich habe durch mein Austauschjahr auch gleich mein Maturarbeitsthema gefunden und kann die Arbeit sogar auf Spanisch verfassen ;)

Was hättest du gerne aus Bolivien mit nach Hause genommen, was es in der Schweiz nicht gibt?

Die Pizzasauce! Nein, im Ernst, die haben dort so eine spezielle Sauce, welche man immer auf die Pizza tut und die ist einfach köstlich! Und Salteñas, mmhhh! Und Tojorí!

Wenn du jemanden zu einem Austauschjahr überzeugen müsstest, was würdest du dieser Person sagen?

Das tönt vielleicht sehr klischeehaft aber es ist wirklich in jeder Hinsicht das beste was man machen kann! Und ich möchte noch das Wichtigste sagen, was mir mein „Austauschgotti“ dort gesagt hat als es mir schlecht ging: „Geniess die Scheisse!“ (Ich entschuldige mich für den Ausdruck). Sie wollte mir damit sagen, dass egal wie schlecht es einem gerade geht oder wie doof der Moment gerade ist, er ist einzigartig und gehört zum Leben, darum sollte man auch das geniessen. Das war glaub ich so ziemlich das Wichtigste, was ich gelernt habe und mir auch heute immer noch sage. Mit dieser Einstellung konnte ich nämlich sogar im Flughafen von El Alto auf 4000 m.ü.M. mit meinem ganzen Gepäck in einer Klokabine übernachten :D.

Flore, 2010/2011 in Tilarán, Costa Rica

Ich habe schnell festgestellt, dass die Menschen hier sehr glücklich sind. Ihre Gastfreundschaft kommt von Herzen, und sie nehmen das Leben, wie es kommt.

Oft werde ich gefragt, warum ich mich für Costa Rica entschieden habe. Anfangs wollte ich einfach in ein Land, weit weg von zuhause, egal in welches. Schon lange hatte mich Lateinamerika interessiert…also habe ich mich recht spontan für Costa Rica entschieden und mich Hals über Kopf in dieses Abenteuer gestürzt… Meine Gastfamilie hatte noch nie einen Schüler bei sich und AFS kannte sie auch noch nicht lange. Wie die Familie mich aufgenommen und wie ein eigenes Familienmitglied akzeptiert hat, hat mich sehr bewegt. In Costa Rica ist der Lebensstandard niedriger als bei uns in der Schweiz, vor allem auf dem Land, und meine Familie war nicht wohlhabend. So habe ich ein Jahr ohne heisses Wasser, ohne Internet, ohne Spülmaschine verbracht…das hat mir beigebracht, einfach zu leben. Ich habe schnell festgestellt, dass die Menschen hier sehr glücklich sind. Ihre Gastfreundschaft kommt von Herzen, und sie nehmen das Leben, wie es kommt. Die Familie hat in Lateinamerika eine besondere Bedeutung und alle halten zusammen. Das hat es auch mir einfach gemacht, mich schnell zu integrieren.

Der Kulturschock war am Anfang gross. Die Latinos sind sehr warmherzig und Ihre Lebenslust ist allgegenwärtig. Trotzdem hatte ich auch schwierige Momente, vor allem am Anfang mit den typischen Problemen der Verständigung. Ein anderer Punkt: das Essen. Reis und schwarze Bohnen 2-3 Mal pro Tag, was für eine Herausforderung! Jeden Tag entdeckte ich neue Aspekte des costaricanischen Lebens und ich versuchte die positiven Seiten zu sehen. Einmal integriert, konnte ich das Land in vollen Zügen geniessen. Durch das Erleben der lateinamerikanischen Eigenheiten entdeckte ich meine eigene Kultur neu. Ich achtete auf viele kleine Details und Gewohnheiten, die mir vor meiner Abfahrt ganz und gar normal erschienen. Und ja, ich musste mich dem Ruf entgegenstellen, dass die Europäer nie duschen!

Die gelassene Lebensweise von Costa Rica hat mir wirklich gefallen. Die Menschen hetzen nie. Wenn man sich verabredet, ist es ganz normal 1-2 Stunden zu spät zu kommen. Selbst die Schüler kommen zu spät zum Unterricht. Ich war so erstaunt, dass die Lehrer nicht einmal etwas dazu sagen. Ich konnte es nicht fassen, ich mit meiner Schweizer Pünktlichkeit. Aber nach und nach habe ich mich daran gewöhnt und zu meiner Abschiedsparty kam ich selbst 2 Stunden zu spät…und brachte damit alle meine Freunde zum Lachen. Für sie war ich jetzt eine wahre „tica“ (Name für Costa-Ricanerin).

Costa Rica ist ein kleines Land. So konnte ich mit anderen AFS Schülern reisen gehen. Ich war überwältigt von dieser unbeschreiblichen Natur, den Stränden, den Vulkanen, den Wäldern, den seltenen Tieren

Dank meines Austauschjahrs habe ich gelernt mich anzupassen trotz grosser Unterschiede, und diese zu akzeptieren. Was bleibt ist mehr Offenheit, und die Lust zu reisen und zu entdecken. Ich habe eine gewissen Unabhängigkeit gewonnen und Selbstvertrauen. Ich konnte Freundschaften schliessen, von denen ich weiss, dass sie ein Leben lang halten werden. Das ist eine Erfahrung, die mich für den Rest meines Lebens begleiten wird, die mir helfen wird bei meinen Entscheidungen in der Zukunft und dabei Probleme zu lösen oder ganz einfach dabei jeden einzelnen Moment zu geniessen.

Noëmi 2012/2013 in Pietarsaari, Finnland

Einmal pro Woche ging ich  in die Sauna und sprang danach ins Eisloch.

Als ich mich nach vorne lehnte, um aus dem Flugzeugfenster zu schauen, sah ich unter mir ein grünes Meer. Wald, soweit ich nur blicken konnte. Hier und da das Blitzen von einem der vielen Seen in der Sonne. Ich bekam eine Gänsehaut; Dies ist also das Land, von dem ich jahrelang geträumt hatte, ich gehofft hatte, eines Tages einen Fuss darauf zu setzen. Fast berührte der Rumpf des Flugzeuges die Baumwipfel, dann waren wir auch schon gelandet. Die Stimme des Piloten verkündete „Tervetuloa Helsinkiin“ (Willkommen in Helsinki). Ich konnte es kaum glauben, dass ich vor ein paar Stunden noch mit meiner Familie in Zürich am Flughafen gemeinsam ein Gipfeli verspeist und dem Aufbruch entgegen gefiebert hatte. Ich mochte es vielleicht noch nicht geahnt haben als ich finnischen Boden betrat, aber von diesem Zeitpunkt an würde ich mein ganzes Leben lang zwei Zuhause haben.

Einige Stunden später sass ich mit meiner ungarischen Gastschwester im Zug, der uns nach Pietarsaari brachte, dem Ort, wo wir nun die nächsten 10 Monate verbringen sollten. Zusammen lachten wir über die Ansagen des Zuges - es war unglaublich für mich, endlich Finnisch zu hören. Um Mitternacht kamen wir dann an, unsere Gastfamilie wartete am kleinen Bahnhof auf uns, die Begrüssung war sehr herzlich. Die Koffer wurden ins Auto verfrachtet und dann ging es los.

Die ersten Wochen kamen mir sehr lange vor, so sehr waren sie gefüllt mit Neuem. Zu meinem Verdriessen sprachen unsere Gasteltern Deutsch mit uns, obwohl ich immer versuchte, mich auf Finnisch zu verständigen. Es ist wirklich so, dass in Finnland viele Leute in der Schule etwas Deutsch lernen. Am ersten Wochenende feierten wir an einem Seeufer Venetialaiset, ein Fest, welches das Ende des Sommers bedeutet und, dass die Leute aus ihren Sommerhütten in die Stadt zurückkehren. Wir gingen das erste Mal in eine finnische Sauna und sprangen danach zur Abkühlung in den kalten See. Ein unglaubliches Gefühl. Die Finnen haben eine Art zu Saunieren, sodass sie viel mehr Aufguss werfen als wir Schweizer. In der Sauna herrscht dann eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. In der Sauna meiner Gastfamilie wurde mit Holz eingeheizt, was einen extrem guten Duft verursacht. Wir genossen Kaffee und finnische Pulla (ein süsses Gebäck, oft mit Kardamom), auf dem offenen Feuer grillierten wir Würste und backten Pfannkuchen.

Der erste Schultag war natürlich sehr aufregend, wir drei Austauschschülerinnen durften unseren Stundenplan selber zusammenstellen und wurden dann dem ersten Jahrgang vorgestellt, der gerade Geographie hatte. Alle im Gymnasium waren unglaublich stolz auf uns, da wir vom ersten Tag an versucht haben, Finnisch zu sprechen.  Bald merkten wir, dass in Finnland das Schulsystem ganz anders aussieht als in der Schweiz. Das Schuljahr wird in sechs Phasen unterteilt, die je sechs Wochen dauern. Am Ende jeder Phase gibt es Prüfungen. Pro Phase kann man nicht mehr als sechs Fächer haben, die Schule beginnt morgens um halb neun und hört spätestens um viertel vor vier auf. Zum Mittagessen bleiben alle in der Schule, für Verpflegung ist gesorgt, niemand „kauft“ sein Mittagessen in einer Kantine, sondern alles ist gratis. Grundsätzlich ist die Schulkost vielseitig und gesund, die Finnen essen allerdings extrem oft Kartoffeln. Ich staunte über die Milchmaschine, bei der man sich Milch holen konnte. In Finnland trinken viele Leute zu jeder Mahlzeit kalte Milch. Die Lehrer darf man mit „Du“ und dem Vornamen ansprechen. Sie waren alle total nett und geduldig mit uns, eigentlich behandelten wir uns eher wie Freunde und nicht wie Lehrer und Schüler.

Hin und wieder nahm uns die Supportperson meiner Gastschwester mit zum Orientierungslaufen. Dies fand immer mitten im finnischen Wald statt und es war nicht ganz ungefährlich, da man aufpassen musste, nicht in einen der zahlreichen Sümpfe zu geraten. Es hatte unendlich viele Beeren im Wald, während dem Orientierungslauf verbrachten wir die meiste Zeit damit, uns Blaubeeren und Preiselbeeren in den Mund zu stopfen. Zum Beerenpflücken setzten wir uns seltsame Netze über den Kopf, damit die Mücken schlechter zuschlagen können.

Eine tolle Erfahrung für mich war ein Kurs im Herbst, bei dem wir ein Wochenende auf einem Militärgebiet verbracht haben. Es war (Überraschung) im Wald und wir stellten runde Zelte auf. In der Nacht musste immer jemand eine Stunde lang Wache halten, damit das Feuer im Kamin nicht ausgeht. Während dem Wochenende lernten wir Erste Hilfe, wie man Feuer auslöscht und einen im Wald Verschollenen bei Nacht sucht. Ich habe die Zeit mit den Anderen sehr genossen, es war eine gute Gelegenheit, mit ihnen in Kontakt zu kommen, auch für einmal ausserhalb der Schule. Die Finnen können nämlich auch sehr gesellig sein, obwohl sie oft introvertiert sind, oder zumindest so wirken.

Wir Austauschschüler unternahmen sehr viel gemeinsam, wir trafen uns mehrere Male im Jahr in Lagern, gingen zusammen auf Reisen in die grösseren Städte, gingen zu jemandem nach Hause und organisierten Filmabende, gingen an Konzerte, machten Musik usw. Oft bummelten wir auch durch die Kirpputorit (eine Art Brockenhäuser) wo es so viel zu sehen gab. Viele Finnen kaufen dort Kleider ein, sie sind dort viel günstiger als neu gekauft und es macht auch einfach Spass dort.

Der erste Schnee fiel im Oktober, allerdings hielt er nicht lange. Der „richtige“ Schnee kam anfangs Dezember, und dieser Schnee blieb bis Ende April liegen! Ende November war eine harte Zeit, ich und meine Gastschwester wechselten beide die Familie. Eine Zeit lang war unklar, ob ich überhaupt in Pietarsaari bleiben konnte, aber dann meldeten sich gleich fünf Familien, die mich aufnehmen wollten. Ab Anfang Dezember lebte ich dann in Pännäinen, einem Dorf, das etwa 10 Kilometer von Pietarsaari entfernt liegt. Der Winter wurde unglaublich kalt, am Morgen wenn ich mit dem Fahrrad zur Bushaltestelle radelte, froren mir fast die Hände ab und mein Atem wurde in meinen Haaren und Wimpern zu Eis. Meine Gastfamilie lieh mir eine dickere Jacke aus, da meine eigene laut meiner Gastmutter „nicht tauglich“ für den finnischen Winter war. Und sie hatte natürlich Recht. So ging ich nun jeden Morgen dick vermummelt wie ein Michelin-Männchen zur Schule und schälte mich dort aus den vielen Kleidern. In meinem Zimmer war es abends manchmal 10 Grad „warm“.

Trotz all dem war es der schönste Winter meines Lebens, es war eine beeindruckende Erfahrung für mich, dass die Sonne morgens um halb elf aufging und um halb drei am Nachmittag wieder unter. Es war trotzdem nie ganz dunkel, der Schnee reflektierte sehr viel Licht und der Himmel zeigte wunderschöne Farbnuancen. Ich fand den Winter in Finnland eigentlich viel weniger deprimierend als zuhause in der Schweiz, wo es im Winter oft nasskalt und braun ist. Ausserdem lernte ich, selber warme und schöne Wollsocken zu stricken. Ich kaufte mir mein erstes eigenes Paar Schlittschuhe, denn auf dem Hof neben dem Gymnasium hatte jemand eine grosse Fläche aus Eis angelegt wo man jederzeit Schlittschuh fahren konnte. Besonders beeindruckend war, dass das Meer richtig zugefroren war, oft sah ich einfach Autos übers Eis fahren...

Mit meiner neuen Gastfamilie hatte ich es gut, obwohl es natürlich hin und wieder mal richtig Krach gab. Einmal pro Woche ging ich mit meiner Gastmutter ins Strandcamping, wo man in die Sauna gehen und danach ins Eisloch eintauchen kann. Es wurde sozusagen ein Hobby für mich. Das machte ich auch zusammen mit den anderen Austauschschülern meiner Region im Midstaycamp. Wir durften dort auch auf Schnee-Scootern mitfahren. Die Fahrer fuhren mit uns in den Wald und suchten dann eine grosse freie Fläche. Mit den ganz Mutigen rasten sie dann einige Runde mit atemberaubender Geschwindigkeit herum. Das Beste war, als sie mit uns über einen riesigen gefrorenen See fuhren.

Im Februar waren die Vanhojentanssit (eine Art Tanzball), worauf die Paare, die sich angemeldet hatten, schon monatelang geprobt hatten. Auch wir Austauschschülerinnen waren dabei. Dafür hatten wir schon in den Weihnachtsferien unsere Ballkleider gekauft. Es war ein ganz besonderer Tag; wir gingen frühmorgens zum Coiffeur, der uns die Haare stylte, dann zogen wir uns die Kleider an, schminkten uns, machten Fotos. Dann kamen mich die Eltern meines Tanzpartners mit dem Auto abholen, da ich mich unmöglich zu Fuss in diesem Aufzug durch den Schnee auf den Weg zur Schule machen konnte. Am Mittag hatten wir in der Turnhalle des Gymnasiums die Hauptprobe, wo die Oberstufenschüler zusahen. Dann gingen wir zusammen im Stadthotel essen. Am Abend kamen die Eltern, Geschwister und alle anderen, die zuschauen wollten. Wir führten eine Choreographie aus verschiedenen alten Tänzen auf, dazwischen gab es Ansprachen von verschiedenen Teilnehmern. Auch wir Austauschschülerinnen hielten eine Rede. Wir waren furchtbar aufgeregt, vor so einem Publikum eine Rede auf Finnisch zu schwingen, es ging dann allerdings relativ gut. Nach dem Anlass gab es dann noch eine Party für die Teilnehmer.

Ende Februar durfte ich mit der Familie meines Tanzpartners in die Sportferien nach Lappland, was unglaublich grosszügig war. Ich stand auf dem nördlichen Polarkreis in Rovaniemi, lernte Skilanglauf in Levi und besichtigte richtige Dörfer aus Eis und Schnee, die dort jedes Jahr neu gebaut werden. Diese Kunst ist wirklich sehenswert, es hat richtige Skulpturen die nur aus Eis bestehen! Ausserdem kann man auch in einem Schneehotel übernachten.

Bis es Frühling wurde, mussten wir uns lange gedulden, der Schnee lag bis Ende April, doch die Tage wurden länger und länger. An Ostern durfte ich ein grosses Osterfeuer bewundern, die Kleinen verkleideten sich als Osterhexen, gingen von Haus zu Haus und sammelten Süssigkeiten.

Bald wurden die Nächte so hell, dass ich die Tagesdecke vor dem zu Bett gehen vors Fenster hängen musste, damit ich überhaupt einschlafen konnte. Ende April legte ich eine 5-stündige Finnischprüfung ab. Gelohnt hat es sich, jetzt habe ich ein Zeugnis, welches beweist, dass ich Finnisch kann ;) Ab Mai wurde es richtig warm, ich begann, jeden Tag mit dem Fahrrad von Pännäinen bis Pietarsaari zur Schule zu fahren, und am Abend die 10 Kilometer wieder zurück. Es wurde so warm, dass wir am Strand liegen konnten und ich mir einen Sonnenbrand holte. Das Meer war noch sehr kalt, doch in den vielen Seen liess es sich baden. Wer allerdings mit dem Kanu raus wollte wie ich, musste mit sehr vielen Mücken rechnen...

Anfang Juni war das Abschlussfest und gleichzeitig die Maturfeier. Ich sang mit meinem Chor und die Maturanden bekamen ihr Abschlusszeugnis und die Studentenmützen. Der Schulleiter hielt eine lange Rede, auch wir drei Austauschschülerinnen bekamen ein Zeugnis und als Abschiedsgeschenk einen Rucksack voller finnischer Herrlichkeiten... Wir seien jederzeit willkommen zurück, hiess es. Und wenn ein Finne etwas verspricht, dann meint er das ernst und hält dieses Versprechen. Und so endete meine Schulzeit in Finnland.

Doch wir hatten noch etwa einen Monat Ferien bis es Abschied nehmen hiess. Diesen Monat genoss ich aus ganzem Herzen. Ich besuchte so viele Freunde wie möglich, ging mit meiner Gastmutter in den kleinen Seen in der Umgebung baden und genoss die Sonne. Am 22. Juni feierte ich mit meiner Gastfamilie Mittsommer, und gleichzeitig war es auch eine Art Abschiedsfest für mich, da ich am 25. Juni nach Hause musste. Wir grillierten draussen bis tief in die helle Sommernacht und um Mitternacht machte ich mich daran, neun verschiede Blumenzu sammeln. In Skandinavien ist das eine Art Mittsommerzauber. Die jungen Mädchen legen diese neun Blumen unter das Kopfkissen und sollten dann in der Nacht von ihrem zukünftigen Mann träumen. Ich bin sicher, dass es bei mir ein Finne sein wird.

Viviane, 2014/2015 in Frankreich

Mein Name ist Viviane und ich habe das Herbstsemester 2014/15 in Frankreich in Voeuil et Giget bei meiner Gastfamilie verbracht. Ich habe mich für Frankreich entschieden, weil ich mein Französisch verbessern wollte. Ich mochte die Sprache sehr, hatte in der Schule aber nie die Möglichkeit, ihr ganzes Potential auszuschöpfen und was gibt es für eine bessere Möglichkeit eine Sprache zu lernen, als sie mit Einheimeischen zu sprechen? Zudem hat mich Frankreich mit seiner Kultur sehr interessiert. Ich kannte das Land vorher nicht einmal von Ferien her und meine Neugierde fürs reisen und entdecken war geweckt.

Die Motivation für mein Austauschjahr kam zu mir an einem Samstagmorgen beim Friseur. Neben mir liess sich die Mutter einer Freundin von mir die Haare schneiden und war dabei, der Friseurin von ihrer Tochter zu erzählen, die gerade für ein Jahr in die USA gegangen war. Ich wusste ja schon, dass meine Freundin einen Austausch machte, aber als die Mutter von ihr erzählte und was sie gerade alles erlebte, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich das auch erleben will. So ging ich nach Hause und erzählte meinen Eltern von meinem Vorhaben. Einen Monat später sass ich dann bei AFS im Büro und hatte mein erstes Interview. Danach folgten noch weitere Interviews und ein Vorbereitungswochenende, welches viel Spass machte. Ich hörte von anderen, die ihre Gastfamilien schon bekommen haben, ich hatte meine leider noch nicht. So wartete ich geduldig und wurde immer aufgeregter, um endlich meinen Austausch beginnen zu können und Fuss ins Fremde Land zu setzen. Ich wartete bis ans Ende der Sommerferien und noch länger auf meine Gastfamilie. Eine Woche vor meinem Abreisetermin bekam ich dann endlich die Nachricht von AFS; Sie hatten eine Gastfamilie für mich gefunden. Dann ging alles Schlag auf Schlag und schon, sass ich im Flieger nach Paris.

In Frankreich lebte ich in einer tollen Gastfamilie ca. eine Stunde nördlich von Bordeaux. Obwohl es nicht sehr weit weg von meinem zu Hause ist (verglichen zu anderen Destinationen), war das Klima und die Vegetation anders und auch die Schule und die Leute total unterschiedlich. Meine Gasteltern fuhren mich jeden Morgen in die Schule und brachten mich am Abend wieder nach Hause. In Frankreich gehen viele ins Internat und fast jedes Lycée hat eins. In meiner Klasse hatte es 30 Schüler und man musste sich immer erheben, wenn der Lehrer ins Zimmer kam und warten, bis man sich setzen durfte. Die Schule dauerte oft bis fünf oder sechs Uhr. Zu Abend wurde immer erst um neun Uhr gegessen, was viel später ist, als bei mir zu Hause. Der Rhythmus im Alltag war ganz anders. Es hat mir sehr gefallen. Besonders das Essen war sehr lecker. Meine Familie kochte immer Bio und mit ganz viel Gemüse. Es gab feinen Käse und zum Dessert immer Schokolade oder Früchtekompott.Meine Gasteltern waren sehr fürsorglich, liessen mir aber auch meinen Freiraum, wenn ich ihn brauchte.

Zum Glück fand ich schnell Anschluss in meiner Schule. Alle nahmen die Hausaufgaben und das Lernen so locker, das kannte ich aus der Schweiz gar nicht. Man hatte immer zwei Stunden Mittagspause und alle gingen auf den Hof rauchen. Auch wenn ich schon ein wenig Französisch gesprochen hatte, war es zu Beginn schwer den Konversationen unter meinen Freundinnen zu folgen. Die Franzosen sprechen sehr schnell. Mit der Zeit ging es aber umso besser und viele Leute sagten mir, ich habe grosse Fortschritte gemacht im Französisch. Franzosen mögen auf den ersten Blick ein wenig arrogant wirken, wenn man jedoch einige Zeit mit ihnen verbringt, sind die wundervolle Menschen, mit denen man sich gerne umgeben möchte. Ich mag ihre Lockerheit und ihre Lebenseinstellung. Eine Viertelstunde zu spät zu einem Rendez-vous ist völlig okay und sonst heisst es schnell einmal tant pis.

Mit AFS vor Ort machten wir coole Ausflüge nach Paris oder verbrachten ein Wochenende mit anderen Austauschschülern oder machten einen Postenlauf in Poitiers. Es war toll andere AFSler aus der ganzen Welt kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Das Weihnachtsfest mit AFS war eines der schönsten Erlebnisse. Wir führten mittelalterliche Tänze auf und sangen Lieder zusammen mit all unseren Gastfamilien. Mit Heimweh hatte ich fast nie zu kämpfen, zu gross war meine Freude an meinem Gastland. Mir fiel es viel schwerer, nach einem halben Jahr wieder meine Koffer packen zu müssen. Es ist schwer, seine neu gefundene Familie und seine Freunde zürucklassen zu müssen und ich bereue es, mich nicht für ein ganzes Jahr angemeldet zu haben. Aus meinem Gastland, nehme ich viele schöne Erinnerungen mit nach Hause. Ich habe viele neue Kontakte geknüpft und enge Freunde gefunden. Ich werde die Lockerheit der Franzosen vermissen, das gute Essen und auch das spätere Aufstehen. Ich werde auch die Schule in Frankreich vermissen, denn sie war so viel anders als hier in der Schweiz.

Ich komme mit vielen Erfahrungen aus dem Austausch zurück und bin auch selbstständiger und reifer geworden. Ich kann leichter vor vielen Leuten auftreten und kann auch mit ungewohnten Situationen besser umgehen. Ausserdem verstehe ich nun die Franzosen viel besser und auch die anderen Kulturen von den anderen Austauschschülern. Es hat mir einen neuen Blick auf viele Sachen verschafft. Um einen Austausch zu machen braucht es Selbstvertrauen und Freude am Entdecken. Man muss offen sein und bereit, auch über seinen eigenen Schatten zu springen. Ich finde man sollte jedoch locker an so etwas herangehen und sich nicht schon im Vorneherein zu sehr auf seine Vorstellungen versteifen. Denn am Schluss kommt alles wieder ganz anders heraus, als man zuerst dachte.

Marilena, 2010 in Vico Equense, Italien

Mein Austauscherlebnis führte mich nach Italien, wo ich für drei Monate in Vico Equense an der Amalfiküste in der Nähe von Neapel leben durfte. Als ich dort im September ankam, war es immer noch so sommerlich, dass wir jeden Tag ans Meer gehen konnten. Erst zwei Wochen später begann die Schule. So hatte ich schon etwas Zeit mich einzugewöhnen und meine Familie etwas besser kennen zu lernen. Sie haben mich von Anfang an sehr freundlich aufgenommen und versuchten mir die Eingewöhnung zu erleichtern.


Als die Schule dann begann, ging ich am Morgen mit meiner Gastschwester, die das gleiche Liceo besuchte, zum Bahnhof in der Nähe von unserer Wohnung neben der Kirche. Was mir als erstes auffiel, war die Bahnhofsuhr. Sie ging völlig falsch, und das begleitet mich vom ersten Tag an verlässlich bis zum Ende meines Austausches.


Alle Schüler aus unserem Ort standen in der Eingangshalle des kleinen Bahnhofs. Gespannt beobachtete ich, wie sie warteten bis das Licht aufleuchtete, welches anzeigte, auf welchem Gleis der Zug fährt. Als ich dann die ersten Male alleine zur Schule fuhr, verpasste ich den Zug. Dabei war ich immer pünktlich dort, aber ich stand vor einem anderen Problem. Der Zug war so voll gestopft, dass ich einfach nicht mehr hineinkam. Relativ schnell passte ich mich an das Verhalten meiner Mitschüler an. Ich drückte mich einfach irgendwie in den Zug hinein. Diese Erfahrung war eine von vielen, die mir jeden Tag aufs Neue vor Augen führte, wie anders das Leben in Italien ist.


In der Schule wurde ich ab dem ersten Tag herzlich von meiner Klasse empfangen. Ich wurde schon bald von jeglichen Fremden mit „Ciao Mari“ gegrüsst, da mich anscheinend alle kannten. Die Schule war vollkommen anders als in der Schweiz. Ich hatte jeden Tag von 8:00 bis ca. 14:00 Schule, wobei ich auch hier wieder eine neue Lektion in italienischem Zeitverständnis bekam. Die Zeit ist nicht genau festgelegt, da es keine Glocke gibt, sondern eine Frau, die ins Zimmer kommt und sagt, dass die Stunde beendet ist.


Ich fand schnell Freunde in der Schule, sowie bei den anderen Austauschschülern, mit denen ich wöchentlich zwei Stunden Italienischkurs hatte. Ich war sehr froh um die Kontakte mit anderen Austauschschülern. Trotz den anderen Freunden, konnte ich mit ihnen immer über Dinge reden, die ich in Italien anders und erstaunlich fand oder über meine Gefühle, da sie in derselben Situation waren und mich am Besten verstehen konnten. Wir hatten es immer sehr lustig zusammen.


Dass vieles anders ist, merkte ich auch bei meiner Gastfamilie, die wunderbar war. Sie kümmerten sich sehr um mich. Sie wollten, dass ich alles probierte, und ich ass alles. Sie wollten mir alles zeigen und wollten einfach, dass es mir immer gut geht. Auch mein Zimmer war wunderschön mit Fernseher und Balkontür. Von dort aus hatte ich eine fantastische Sicht aufs Meer. Am Abend ging ich immer mit meiner Gastschwester ins Zentrum, um alle zu treffen, etwas zu trinken oder zu essen und einfach die Atmosphäre zu geniessen.

Mir fehlte all dies, als ich wieder zurück in der Schweiz war, auch das Schulstreiken, wenn den Schülern etwas nicht passte. Das Leben in Italien verläuft völlig anders. Mein Austausch war eine super Erfahrung. Ich habe es sehr genossen, und ich habe so viel aus dieser Zeit mitgenommen, vor allem da ich mich in einer neuen Kultur, mit Leuten, die ich nicht kannte, aber auch in einer neuen Familie zurecht finden musste.

Anna, 2011/2012 in Gifu, Japan

Ich war in einem Teezeremonie-Club. Es war zeimlich schwierig, sich den Ablauf zu merken, aber ich habe dabei interessante Dinge gelernt und tolle Freundinnen gefunden.

Als ich nach Japan kam, war es Sommer und so heiss, dass man es ohne Klimaanlage kaum aushalten konnte. Als es im Oktober anfing kühler zu werden, war ich wirklich froh. Im Dezember und Januar war es wirklich kalt. Aber die meisten Schülerinnen tragen in der Schule keine Strumpfhosen, sondern nur ihren Schuluniformjupe bis zu den Knien oder kürzer. Wenn man sich erkältet, zieht man in Japan eine weisse Maske an, damit man andere nicht ansteckt. Bei Heuschnupfen, das in der Stadt fast jeder hat, zieht man die Maske auch von Frühling bis Herbst an.

Im März war das Schuljahr zu Ende und wir hatten drei Wochen lang Frühlingsferien. Zuerst ging ich mit einem AFS-Begleiter und 8 anderen Austauschschülern drei Tage auf eine Reise mit einem kleinen Bus. Übernachtet haben wir zweimal in Hotels. Es war interessant, da wir mehr von Japan sehen konnten und auch sehr lustig mit allen Austauschschülernaus Europa und Kanada. Wir gingen in eine kleine “Ninja Stadt“ in Iga (Ninjas waren bewaffnete Kämpfer im vorindustriellen Japan), dann nach Miyajima, das ist in der Nähe von Hiroshima und sehr schön.Danach nach Hiroshima, wo wir das Friedensdenkmal von Hiroshima, die Atombombenkuppel (gembaku dōmu) und das Friedensmuseum angesehen haben. Und am Schluss gingen wir noch nach Kyoto, eine ehemalige Kaiserstadt

In Miyajima konnte ich meine vorgesehene Gastfamilie treffen. Denn eigentlich hätte mein Aufenthalt im März 2011 beginnen sollen. Doch eine Woche vor der geplanten Abreise ereignete sich die Katastrophe mit dem schrecklichen Erdbeben und Tsunami und den bekannten Folgen und mein Austauschjahr musste verschoben werden. AFS Schweiz setzte sich sehr dafür ein, dass ich trotz der verspäteten Abreise im Sommer für ein ganzes Jahr in Japan bleiben und die Kultur und Sprache kennenlernen konnte. In meiner Schweizer Schule in Romanshorn gab es auch keine Probleme, obwohl sich mein Aufenthalt kurzfristig verschob. Jedoch konnte ich nicht mehr die vorgesehene Gastschule besuchen und deshalb musste AFS Japan auch eine andere Gastfamilie suchen.

Meine neue Gastfamilie fand man in Gifu. Gifu Stadt hat etwa 410‘000 Einwohner und befindet sich auf der Hauptinsel Honshu am Fluss Nagara, in der Nähe von Nagoya. Im Winter ist es recht kalt und es schneit manchmal auch, aber im Sommer ist es sehr heiss und feucht. Meine Gastfamilie sind Mama, Papa, eine 19jährige Schwester und drei Hunde. Sie wurden in dem Jahr wie eine richtige Familie für mich. Am Abend haben wir immer zusammen ferngesehen. Ich liebe japanisches Fernsehen! Meistens ist es einfach doof aber sehr unterhaltsam. Am Wochenende sind wir auch häufig in Shoppingmalls einkaufen gegangen. Japanische Shoppingmalls sind riesig und sie haben immer ein Gamecenter mit Spielautomaten, Fotokasten und allem möglichen. Aber da die Shoppingmalls immer ausserhalb der Stadt sind, und es bei manchen nicht einmal Buse oder ähnliches gibt, ist man häufig auf ein Auto angewiesen.

Am Anfang war es natürlich schwer, sich auf Japanisch zu unterhalten. Aber je länger ich dort war, desto besser ging es und ich habe viel und lange mit meinen Gasteltern gesprochen.

Nach den Frühlingsferien kam ich in eine neue Klasse, sann en nana kumi, und wählte viele neue Schulfächer wie Geografie, japanische Geschichte, Weltgeschichte, Sport und Musik. In der neuen Klasse fand ich einige richtig gute Freunde! Wie üblich in Japan, machte mir meine Gastmutter für den Mittag immer eine Obentou (Lunchbox). Am Mittag wird im Klassenzimmer gegessen. Unser Klassenzimmer war am Mittag immer voller Schüler und es war sehr lustig, auch wenn ich nicht immer alles verstand. Beim Fenster sassen fast alle vom Hockeyclub, in der Mitte fünf vom Basketballclub und hinten bei der Tür einige Knaben.

In Japan sind die Bukatsu (Clubs von der Schule) sehr wichtig. Vor allem die Sportclubs sind sehr strikt und haben eigentlich jeden Tag Training, auch an Wochenenden und in den Ferien. Im Volleyballclub zum Beispiel muss man kurze Haare haben und es ist auch verboten einen festen Freund zu haben, da sie sich nur auf Volleyball konzentrieren sollen. (Das bedeutet natürlich nicht, dass niemand dort einen Freund hat, sondern einfach, dass kein Lehrer etwas davon erfahren darf.) Ich war im Teezeremonieclub, der nicht einmal halb so streng ist. Wir hatten zweimal pro Woche, dienstags und mittwochs, Übung. Es ist wirklich schwierig, sich den Ablauf der Teezeremonie zu merken, da wirklich jede Bewegung genau vorgeschrieben ist, und es auch verschiedene Variationen gibt. Aber ich liebe den Macha-Tee und die speziellen Süssigkeiten (Wagashi) und es war wirklich interessant ein Teil japanischer Kultur kennenzulernen, von dem auch viele Japaner nicht viel kennen. Aus meinem Jahrgang hatte es noch fünf andere Mädchen. Am Anfang sprachen wir nicht so viel miteinander aber mit der Zeit wurden wir zu guten Freunden und es war immer lustig. Bevor ich zurück in die Schweiz ging, gab es einen “Abschieds-Ochakai“. Eine Freundin und ich machten zusammen die Teezeremonie und meine Gastmutter kam zuschauen. Es war ein toller Abschluss und ich bekam einen Yukata (Baumwollkimono) und ein paar Teezeremonie-Utensilien geschenkt, worüber ich mich sehr freute!

Die Schullektionen in meiner Japanischen Schule waren auch ziemlich anders als in der Schweiz. In den meisten Fächern hat es Klassen mit etwa 40 Schülern. Meistens erzählt der Lehrer die ganze Lektion über etwas und die Schüler hören zu und machen sich Notizen auf ein Arbeitsblatt oder starren ins Leere, tauschen Fotos aus und schwatzen. Je nach Lehrer schlafen auch einige ein. In meiner Japanische Geschichte Klasse musste der Lehrer in jeder Lektion zwei-, dreimal einige auffordern, ihre Mitschüler zu wecken. Das Niveau meiner Schule ist nicht extrem hoch und die meisten gehen danach nicht in eine Universität sondern eher in eine Fachhochschule. Daher gibt es manche, die das Lernen nicht so ernst nehmen. Dafür hatten meine Freunde, die nicht in einem Sportclub waren, ziemlich viel Freizeit und ich konnte viel mit ihnen machen. Manchmal nach der Schule gingen wir etwas essen oder Purikura (“Fotokastenfotos“) machen. An Wochenenden gingen wir in Shoppingmalls oder in die Karaoke.

Ich bin so glücklich, dass ich die Möglichkeit hatte, ein Jahr in Japan zu verbringen und so viel über eine völlig andere Kultur und Sprache, aber auch einiges über mich selbst zu lernen! Ich möchte mich bei allen bedanken, die es für mich möglich gemacht haben, dieses Austauschjahr zu erleben! Es bleiben so viele Erfahrungen, Erinnerungen und natürlich Freunde und eine zweite Familie, die ich nie vergessen werde. Und ich werde so bald wie möglich wieder nach Japan gehen! 

Vincent, 2013/2014 in Québec, Kanada

Die Strassen waren von einer zwei Meter hohen Schneeschicht bedeckt, was es für die Schulbusse unmöglich machte, uns zur Schule zu bringen

Wildnis und Natur haben mich schon immer fasziniert und da mir Französisch als Sprache sehr gut gefällt, schien mir nichts naheliegender, als meinen Austausch im Québec, dem französischsprachigen Teil von Kanada, zu verbringen. Allerdings kam, und das ist eigentlich auch das schöne und interessante an einem Austauschjahr, alles ganz anders als erwartet.

Ich durfte bei einer sehr liebenswürdigen und offenen Familie leben. Einer Familie, die aber erst vor drei Jahren nach Québec gezogen ist. Sie kommt aus Brasilien und die Sprache, die ich die meiste Zeit zu Hause zu hören bekam, war nicht etwa Französisch, sondern Portugiesisch. Ich hatte zwei Gastbrüder, Enrico(17) und Lorenzo(9), und eine Gastschwester, Gabriella(13), mit denen ich mich ausgezeichnet verstand. Auch wenn ich nicht allzu viel Portugiesisch gelernt habe, profitierte ich sehr von diesem Kulturmix und ich hätte mit keiner Gastfamilie tauschen wollen. Von Wildnis war allerdings nichts zu sehen, im Gegenteil! Die Landschaft war so flach und öde, dass man von zu Hause manchmal bis zum 35km entfernten Montreal sehen konnte. Ich habe mich aber schnell mit den unerwarteten Umständen abgefunden. Es hatte auch viele Vorteile, dass ich so nahe bei einer Grossstadt wohnte. Ich habe andere Austauschschüler kennengelernt, die völlig abgeschieden lebten, weshalb es für sie nicht einfach war, das Land zu bereisen. Schwierig wurde es für mich, als mein Gastvater seine Arbeit verlor. Meine Gastmutter hatte zu dieser Zeit auch keine feste Anstellung und die ganze Familie war somit völlig ohne fixes Einkommen. Zuerst machte man sich noch wenig Sorgen, da es meinem Gastvater relativ einfach schien, eine neue Stelle zu finden. Schlussendlich blieb er jedoch über sieben Monate arbeitslos, was auch ich als sehr unangenehm empfand, da ich zusätzlich Kosten verursachte. Dabei ist zu wissen, dass die Gastfamilie von der Austauschorganisation AFS kein Geld erhält. Die Familie wollte mich aber dennoch behalten, was sehr schön war.

Bereits drei Monate nach meiner Ankunft fiel der erste Schnee und die Temperaturen sanken immer tiefer in geradezu arktische Kälte ab. Der Winter im Québec ist um einiges kälter als hier und er dauerte insgesamt gute sechs Monate. An einen bestimmten Wintertag kann ich mich besonders gut erinnern. Wegen eines Schneesturms, der während zwei Tagen gewütet hatte, fiel nämlich der Schulunterricht aus. Die Strassen waren von einer zwei Meter hohen Schneeschicht bedeckt, was es für die Schulbusse unmöglich machte, uns zur Schule zu bringen. Dieser Winter hat mich sehr beeindruckt. Schnee habe ich aber für eine Weile genug gesehen.

Ein Jahr ist eine unglaublich lange Zeitspanne, in der sehr viel passiert. Vermutlich gerade in der Jugend macht man mit jedem Jahr viele Veränderungen durch. Man wird älter, man entwickelt sich, man ändert seine Gewohnheiten und Interessen und es ist unheimlich schwierig, alle diese Erlebnisse und Erfahrungen so kurz zusammenzufassen. Doch noch viel schwieriger ist es, ein Austauschjahr zu beschreiben. Natürlich habe ich während meines Jahres im Quebec viele Dinge erlebt und gesehen. Ich habe viele Städte, Sehenswürdigkeiten und was weiss ich noch alles bewundert, ich bin einer fremden Kultur begegnet und habe meine Französischkenntnisse verbessert. Dies sind alles Dinge, die einen Schüleraustausch einmalig und wertvoll machen.

Sophie, 2013/2014 in Kristiansund, Norwegen

Gründe waren die lustige Sprache, die schöne Flagge und die Vorstellung von einem „perfekten“ Winter mit viel Schnee und einem typisch norwegischen Pullover.

Aus welchen Gründen hast du dich für einen Austausch entschieden?

Ich hatte seit längerem das Gefühl in Bern keine Luft mehr zu kriegen und hatte das Bedürfnis neue Leute kennen zu lernen und neue Dinge zu erleben. Nachdem mein Bruder und auch meine Cousine von ihrem Austauschjahr zurückgekommen waren haben sie beide sehr davon geschwärmt und ich dachte „wieso eigentlich nicht?!“Komischerweise habe ich mir nie darüber Sorgen gemacht, ob ich es „schaffe“ oder nicht. Ich kannte damals viele andere, die vor der Abreise noch sehr an sich zweifeln.

Wie hast du dein Gastland gewählt?

Ich habe AFS meine Anmeldung mit meiner Liste der Destinationen, die ich mir wünschen würde zugeschickt. Australien war die Nr. 1, Norwegen oder Neuseeland 2 und Brasilien zuletzt. Ich bin damals, wie alle, an dieses Vorstellungsgespräch in Zürich gegangen und dort hat man mir gesagt, dass Australien nicht möglich sei (an den Grund kann ich mich nicht erinnern, nur dass es nicht aufgrund von zu wenig Plätzen war...). Jedenfalls sollte ich spontan drei Destinationen aufzählen, in denen ich gerne einen Austausch machen würde und Norwegen ist mir als erstes in den Sinn gekommen. Gründe waren die lustige Sprache, die schöne Flagge und die Vorstellung von einem „perfekten“ Winter mit viel Schnee und einem typisch norwegischen Pullover. Wo genau hast du gelebt? 

Wie muss man sich deine damalige Umgebung und Schule vorstellen?

Die Stadt in der ich gewohnt habe heisst „Kristiansund“ und liegt direkt an der Küste, ca. drei Autostunden von Trondheim. Es sind eigentlich vier Inseln, die alle mit Brücken verbunden sind. Das Haus meiner Gastfamilie steht auf der grössten, die aber auch am weitesten vom Zentrum entfernt ist und den Namen „Frei“ trägt. Auf dieser doch recht grossen Insel gibt es eigentlich eine grosse Landstrasse und dann immer kleinere Abzweigungen, die zu den einzelnen Häusern führen. Zur Schule bin ich häufig mit dem Bus, denn bis dorthin waren es um die 15 km. Ich hatte also alles zusammen von meinem Haus bis zur Schule etwa eine halbe Stunde. Klar, mit der Zeit lernte man Leute kennen und viele von ihnen wohnten, so wie ich, auch auf Frei. Später bin ich fast häufiger mit Freunden die mit dem Auto in die Schule fuhren mitgefahren, als mit dem Bus.

Wie unterschied sich dein Alltag im Vergleich zur Schweiz?

Dadurch dass meine Insel relativ weit vom Zentrum entfernt war, war ich immer abhängig von entweder meinen Gasteltern, die mich abholen kamen oder einfach jemandem, der Autofahren konnte, oder von einem Bus. Diese Unselbständigkeit war ich mir nicht gewohnt und fand es auch nicht so toll am Anfang, bis es irgendwann zur Routine wurde.

Ein zweiter Punkt, der extrem anders war, als in der Schweiz, war die Schule. Die Pausen wurden, nicht wie in Bern mit einer Klingel angekündigt, sondern gar nicht. Man hat also nicht selten die Stunde überzogen. Ausserdem ist die Grundschule (übersetzt „weiterführende Schule“) sehr easy. Es macht nichts, wenn man 10 min zu spät ist, jeder isst noch kurz sein Frühstück fertig (ja, auch Lehrer) und jeder Schüler schreibt auf dem PC nicht das ab was er sollte, sondern sieht irgendeine Serie, liest einen Blog oder ist auf Facebook.

Die Mahlzeiten. Ich meine nicht das Essen an und für sich (das schon anders, aber auch nicht so anders war, als in der Schweiz), sondern wann man isst. Gewohnt war ich mir Abendessen so zwischen 19.00 und 20.00 Uhr. In Norwegen isst man gleich wenn man von der Schule oder der Arbeit nach Hause kommt. 17.00 ist also schon fast eher spät...

Wie muss man sich ein typisches Familienleben in Norwegen vorstellen?

Durch den Tag macht jeder was er muss (Schule, Arbeit...) und schaut man schaut selber, wie man die Dinge regelt.  Hier und da gibt es auch einen einfachen „Kaffee und Kuchen“ – Nachmittag oder man lädt die Grosseltern zum Abendessen ein. Ab und zu haben wir auch kleine Ausflüge gemacht, wie beispielsweise fischen gehen oder „gå på tur” was eigentlich einfach eine Mini-Wanderung ist. Natürlich geht man sich auch manchmal auf die Nerven, dann sagt man es aber und ist ehrlich. Ich habe gemerkt, dass Ehrlichkeit in meiner Gastfamilie von sehr großer Bedeutung war, nicht nur bezüglich mir als Austauschschülerin, sondern grundsätzlich.

Was waren die grössten kulturellen Unterschiede?

Von der Art und Weise her sind die Norweger relativ ähnlich, wie die Schweizer. Verwöhnt, nicht wahnsinnig offen gegenüber Neuem, aber geht man auf sie zu und zeigt Interesse sind sie ein wundervolles Volk. Ein grosser Unterschied, meiner Ansicht nach, war die Wichtigkeit des Äussern – für Männer genauso wie für die Frauen!! Klar, auch am Gymnasium in Bern schaut man darauf was man trägt aber in Norwegen ist es scheinbar wichtig, dass man mit extraordinären Kleidern, viel Schmuck und Parfum zeigt was man hat. Ausserdem hatte ich schon vor dem Austausch von der allgemein „skandinavischen Trinkkultur“ gehört und durfte sie dann auch selber erleben. Es stimmt – man trinkt vor allem, dass man möglichst schnell möglichst betrunken ist, während wir in Bern trinken für „gute Stimmung“. Und das Rauchen ist praktisch nicht anzutreffen in Norwegen. Während es in Bern relativ beliebt ist alles Mögliche zu rauchen brauchen in Norwegen alle „Snus“. Tabakpäckli, die man sich unter die Oberlippe schiebt.

Was können wir voneinander lernen?

Von beiden Seiten her war es eine Herausforderung, die uns allen etwas abverlangt hat. Ich denke allgemein ist es ein Austesten seiner eigener Grenzen und ein Lernen den Mut zu haben sich zu Dingen zu äussern, die einen stören. Ein Austauschjahr soll schliesslich den Schüler in eine andere Kultur und Welt eintauchen lassen und gleichzeitig der Gastfamilie eine andere Kultur ins Haus bringen. Für mich kann ich sagen, durch die Norweger haben mir mit ihrer indirekt sehr ehrlichen Art (die auch schmerzhaft sein konnte) geholfen Selbstvertrauen zu gewinnen, was mich bis jetzt unglaublich weit gebracht hat.

Was gefiel dir besonders an deinem Gastland?

Das Leben am Meer war für mich ein wahrer Traum. Auch die Jahreszeiten und die langen und kurzen Tage verbreiten eine sehr spezielle aber angenehme Atmosphäre finde ich. Es ist toll morgens um 02.00 ins Bett zu gehen und man könnte sich noch fast einbilden, die Sonne sei gerade erst untergegangen. Dafür wenn es im Winter lange kalt und dunkel ist versüsst man sich das Leben mit backen (viel backen!!) und isst viele gute Dinge. Mit anderen Worten, die Norweger nehmen ihre Pflichten sehr ernst, wissen aber auch wie man geniesst. Die Natur finde ich dort auch wunderschön. Würde ich sie beschreiben würde man sagen: „Aber hä, das ist ja in der Schweiz genau gleich“, ist es aber nicht.

Was waren die grössten Herausforderungen und wer hat dich dabei besonders unterstützt?

Selbstzweifel ablegen und vergessen war schon immer eine grosse Hürde für mich. Als Austauschschüler soll man ja mit allen reden und sich für alles interessieren. Logisch, einfach war es nicht, aber ich hab’s geschafft! Meine Gastfamilie war so unglaublich fantastisch und hat mir mit der Sprache so geholfen, dass es nicht lange ging, bis ich sie beherrschte und locker mit den Einheimischen reden konnte. Zu denken „Oh, schon wieder ein Kilo mehr... Naja, egal“ war auch nicht leicht, besonders nicht für mich... Diese einmalige Zeit zu geniessen war mir schlussendlich wichtiger, als die Linie. Bei den Herausforderungen „im“ Austauschjahr vergisst man häufig jene ganz am Ende. Ich weiss nicht wie viele Male ich mir alleine die Augen ausgeweint habe, beim Gedanken all die wunderbaren Leute nicht mehr um mich zu haben und wieder dorthin zurückgehen zu müssen, von wo ich mich so gefreut hatte weg zu gehen Wie hat dich dein Austauschjahr verändert und bereichert?

Aline, 2013/2014 in Chimbote, Peru

Ich habe gelernt, dass nicht alles so sein muss, wie ich es mir wünsche, um perfekt zu sein.

Bevor ich nach Peru ging, wusste ich nicht viel über dieses Land. Das einzige, was ich damit in Verbindung bringen konnte, waren Lamas, bunte Stoffe und Machu Picchu. Irgendwie hat das trotzdem gereicht, um mich für Peru anzumelden, eine Entscheidung, die ich nie bereut habe.

Zwar hatte ich viele gute Vorsätze, schon vor der Abreise Spanisch zu lernen, um in den ersten Wochen nicht völlig aufgeschmissen zu sein, hat aber leider nicht sehr gut geklappt. Als ich ankam, konnte ich mich knapp vorstellen und nicht viel mehr. Anfangs war es schon ziemlich schwierig, denn die Englischkenntnisse der Peruaner waren nicht selten noch miserabler als meine Spanischfähigkeiten. Ich sah das als grosse Chance und auch wenn ich jemanden traf, der gut Englisch konnte, bat ich ihn, mit mir Spanisch zu reden. Somit war es anfangs mehr eine Kommunikation mit Händen und Füssen. Dank der Notwendigkeit habe ich die Sprache aber sehr schnell gelernt und konnte schon nach zwei Monaten das Wichtigste verstehen und mich auch gut ausdrücken in Alltagssituationen.

Ich wurde als einzige Austauschschülerin in eine Fischerstadt platziert, die total frei von Touristen war. Zwischen all den Peruanern bin ich mit meinen hellen Haaren und blauen Augen stark aufgefallen. Manchmal war das unangenehm, aber es brachte mir auch viele Vorteile: Die Leute waren sehr neugierig auf mich und ich wurde oft auf der Strasse angequatscht, was zum Teil zu interessanten Gesprächen führte. So entstanden viele Freundschaften mit ganz verschiedenen Leuten, die ich sonst nie kennengelernt hätte.

Meine Schule war katholisch und das Einhalten der Schuluniforms-Vorschriften wurde streng kontrolliert. Das war anfangs sehr ungewohnt und hat mir nicht so Spass gemacht, denn die Uniform enthielt Kniestrümpfe, Faltenrock und Bluse, überhaupt nicht mein Stil. Jegliche Form von Schmuck war verboten, ausser es war ein Rosenkranz. Die Haare mussten zum Pferdeschwanz zusammengebunden sein und sogar den Haargummi musste man in der Schule kaufen, damit alle gleich sind. Schminke war ein Tabu. Äusserlich gesehen gab es also praktisch keine Individualität, was auch den Nachteil hatte, dass ich meine Mitschüler, die alle die gleiche Haar- und Augenfarbe hatte, lange Zeit kaum auseinanderhalten konnte. Die Klassengrösse von 30-40 Schülern war da auch keine grosse Hilfe;-).

Jeden Morgen mussten wir zuerst auf dem Pausenplatz perfekt aufgereiht einstehen. Bei über 1000 Schülern ging das jedes Mal Ewigkeiten. Dann wurde gebetet, Opfergaben für die Jungfrau Maria präsentiert, Hymnen gesungen und die Lehrer informierten uns, wenn wichtige Sachen anstanden. Das Ganze dauerte jeweils etwa eine halbe Stunde.

Der Unterricht danach war eher locker. Die Schüler-Lehrer-Beziehung war freundschaftlich und persönlich, trotz schlechten Noten konnte man mit schöner Heftführung locker eine gute Zeugnisnote erreichen und Basteln und Gestalten wurde viel stärker gewichtet als Lernen. Die Atmosphäre war allgemein sehr fröhlich und positiv. Alle waren offen und ich konnte gut Freunde finden.

Die Schule war jeweils um halb zwei fertig. Dann ging ich nach Hause und ass das Mittagessen. An den Nachmittagen war mir nie langweilig. Ich unternahm viel mit Freunden, es gab Zeiten da besuchte ich Instrumentalunterricht oder Tanzstunden, immer wieder etwas anderes. Wenn ich mal nichts abgemacht hatte, ging ich einfach so mal ins Stadtzentrum und fand dort immer irgendeine Beschäftigung. Manchmal blieb ich auch zu Hause, schrieb Briefe oder Tagebuch und half mit im Haushalt, wobei ich unter anderem lernte, sehr leckere Gerichte zu kochen.

Was mich sehr beeindruckt hat an den Peruanern, war ihre Fähigkeit, aus dem was sie haben das Beste zu machen. In meiner Stadt gab es viele arme Menschen und trotzdem kaum Bettler, die nur herum sassen. Wenn es ums Geld verdienen ging, waren sie sehr erfinderisch. Es gab jede Menge Kaugummiverkäufer, Clowns in Parks, Autoputzer, Strassenkünstler, Kreidenmaler, Porträtierer, Schuhputzer, Kuchenverkäufer und so weiter. Ich lernte ein paar von ihnen kennen und habe gemerkt: Keiner mochte seine Arbeit wirklich und trotzdem waren sie nicht unzufrieden, sondern dankbar für das, was sie hatten und sie waren sich immer bewusst, dass es Leute gibt, denen es noch schlechter geht.

Das ist vielleicht das Wichtigste, was ich gelernt habe in meinem Austauschjahr und es war auch sehr nützlich. Denn auch wenn dieses Jahr genial war und ich eine tolle Zeit hatte, gab es auch viele schwierige Momente und Situationen, mit denen ich nicht gut klar kam. Ich musste viele Dinge akzeptieren, die ich eigentlich überhaupt nicht ok fand und verzweifelte manchmal fast. In dieser Hinsicht konnte ich vieles lernen von den Peruanern und wurde viel zufriedener. Ich habe gelernt, dass nicht alles so sein muss, wie ich es mir wünsche, um perfekt zu sein.

Evamaria, 2012/2013 in Soweto, Südafrika

Was motivierte dich, ein Austauschjahr zu absolvieren?

Die Idee ein Austauschjahr zu machen kommt ursprünglich von meinem Bruder, der vor mir ein Austauschjahr auf den Philippinen absolvierte. Seine Entscheidung beeinflusste unsere ganze Familie; wir entschieden uns, zum Ausgleich zwei Austauschschüler aus Thailand und Japan zu beherbergen. Durch all diese interkulturellen Kontakte war für mich schnell klar, dass auch ich die Welt erkunden gehen wollte.

Wie hast du dein Gastland gewählt?

 

Ich habe mich entschieden, nach Südafrika zu gehen. Diese Entscheidung war hauptsächlich ein Ausschlussverfahren. Zuerst fragte ich mich, welche Kontinente für mich in Frage kämen: Asien, Südamerika und Afrika. Gleichzeitig musste ich beachten, welche Länder überhaupt Vegetarier aufnehmen, denn ich konnte mir nicht vorstellen, für ein Jahr anzufangen, Fleisch zu essen. Dadurch fiel Südamerika fast vollständig weg (gleichzeitig war ich auch nicht daran interessiert, Spanisch zu lernen). In Asien fielen durch diese Situation ebenfalls viele Länder weg. Ich habe mich dann aber entschieden nach Afrika zu gehen, da ich schon verhältnismässig viel über Asien wusste, und ich etwas völlig neues und anderes erleben wollte. In Afrika war dann eigentlich nur ein Land verfügbar – alle nordafrikanischen Länder nehmen wegen dem „Arabischen Frühling“ momentan keine Austauschschüler auf – und zwar Südafrika. Dieses Land gefiel mir auf Anhieb, da es eine riesige Vielfalt auf alle Arten versprach und ich wurde in dieser Hinsicht nicht enttäuscht!

 

Wo in Südafrika hast du gelebt? Wie muss man sich deine damalige Umgebung und Schule vorstellen?

Ich wohnte in dem Township Soweto, das liegt gleich neben der Hauptstadt Johannesburg. Ich lebte eher am Rande des Townships – wo nur schwarze Leute wohnen – in einer etwas besseren Gegend. Verglichen zur Schweiz war es in Soweto ziemlich gefährlich, aber wiederum weniger gefährlich als zum Beispiel das Stadtzentrum von Johannesburg. Es kommt stark auf den Vergleich an.

Meine erste Schule lag im Norden Johannesburgs, in einer ziemlich reichen Gegend. Es war ein gutes – „gut“ im Sinne von hoher Qualität, da es in Südafrika auch viele schlechte Schulen gibt – Mädchengymnasium. Ich schätzte die multikulturelle Art und grosse Vielfalt der Schülerinnen meiner Schule - es hatte sehr reiche, sowie auch sehr arme Schülerinnen. Meine zweite Schule war in Soweto und im Gegensatz zu meiner ersten Schule ziemlich arm. Hier gingen nur Schwarze zur Schule; ich war die einzige Weisse. Dies war manchmal eine gewisse Herausforderung, da ich nun viel stärker mit der schwarzen Kultur in Kontakt kam als zuvor; an meiner alten Schule hatte es neben schwarzen Schülern noch viele Weisse, „Coloureds“, Inderinnen und weitere. Der Schulwechsel half mir sehr beim Bilden von Sozialkontakten in Soweto, da diese Schule nur fünf Minuten von meinem Zuhause entfernt war.

 

Wie hat sich dein Alltag im Vergleich zur Schweiz verändert?

 

An einem normalen Schultag stand ich um halb sechs bzw. um halb sieben (bei der zweiten Schule) auf. Dann wurden ich und meine Schwester von unserer Mutter in die Schule gefahren bzw. ich lief in die Schule. Die Schule begann um 7:45 und endete um 14:15. In der ersten Schule konnte ich nach dem Unterricht noch fakultativen Schulsport betreiben – ich spielte Touch Rubgy, Tennis für Anfänger und Cross Country (gemeinsames schnelles Jogging), bis uns unsere Mutter abholen kam zwischen vier und halb fünf Uhr. Die zweite Schule begann ebenfalls um 7:45 und endete auch zur selben Zeit wie die erste. Nach dem Unterricht durfte man als Schüler des Abschlussjahrgangs – mich einbegriffen – nicht vor halb fünf Uhr das Schulgelände verlassen. Meistens hatten wir in diesem Zeitraum noch fakultative Zusatzlektionen, die aber trotzdem von allen besucht werden mussten. Sobald ich zuhause ankam, musste ich meine Hausaufgaben machen und ca. zwischen 19:00 und 20:00 gab es Abendessen vor dem Fernsehen auf der Couch. Jeder Abend wurde vor dem Fernseher verbracht, nach der Schule noch einmal wegzugehen war nicht erlaubt. An freien Tagen und Wochenenden mussten ich und meine Schwester am Morgen immer das ganze Haus putzen; das ist dort Mädchenarbeit. Danach durften wir Freunde besuchen, wenn es uns erlaubt wurde oder ich lief mit meiner Schwester im Quartier herum um Leute zu treffen. Wir mussten aber immer spätestens bei Dämmerung zuhause sein, da es sonst zu gefährlich geworden wäre. Ich ging auch oft einen ganzen Tag lang weg, um Freunde in Johannesburg oder andere Austauschschüler zu treffen. Es kam aber auch oft vor, dass wir einfach den ganzen Tag vor dem Fernseher verbrachten.

 

Wie muss man sich ein typisches Familienleben in Südafrika vorstellen?

 

Das „typische Familienleben“ gibt es in Südafrika nicht, da in diesem Land so viele verschiedene Kulturen und Lifestyles zusammenkommen. Die Hauptkulturen sind die der Schwarzen Menschen – welche auch viele Unterkulturen besitzt - , die der weissen, von England abstammenden Menschen (the English people), die der weissen, von Holland abstammenden Menschen (the Afrikaans people, the buers), die Kultur der Farbigen (the Coloureds), die Kultur der von Indien abstammenden Menschen, die Kultur der vom Nahen Osten oder Indien abstammenden Moslems, und die Kultur der von China abstammenden Menschen, um nur ein paar zu nennen. All diese Kulturen sind stark verschieden und genauso deren typisches Familienleben.

Meine Gastfamilie war schwarz und gehörte dem Stamm der Setswana an. In dieser Kultur ist der Vater das eindeutige Familienoberhaupt, der immer den besten Platz, das leckerste Essen, die grösste Portion und anderes bekommt. Die Ehefrau hat auch viel zu sagen und eine grosse Möglichkeit mitzubestimmen, ist jedoch schlussendlich dem Mann unterlegen. Die Beziehung der Eltern zu den Kindern ist etwas distanzierter und vielleicht etwas „kalt“ verglichen zu den Eltern-Kinder-Beziehungen in der Schweiz. Allgemein hat die Mutter eine stärkere Verbindung zu ihren Kindern, da der Vater nicht viel zu Hause ist. Familienaktivitäten sind selten; der grösste Teil des Familienlebens spielt sich zuhause vor dem Fernseher ab, nur ganz selten geht man gemeinsam für kurze Zeit in die Ferien, falls man genug Geld hat.

 

Was waren die grössten kulturellen Unterschiede?

 

Die schwierige Sicherheitslage in Südafrika ist manchmal problematisch, und zwingt dich zu einer ständigen Aufmerksamkeit und Vorsicht, gleichzeitig sind sehr viele Dinge schlichtweg nicht möglich, da es zu gefährlich ist. Zum Beispiel muss man immer darauf achten vor Sonnenuntergang wieder zuhause zu sein, sobald es dunkel ist, ist es überall gefährlich, sogar in den reichen Gegenden, gleichzeitig kann man nicht überall hingehen aus Sicherheitsgründen. Auf der anderen Seite war die Kultur meiner Gastfamilie und meines Umfeldes anfangs sehr gewöhnungsbedürftig für mich, da diese zum Teil viel härter ist und man auch ständig schlagfertig sein und sich selber verteidigen muss, und dass es innerhalb der Familie auch weniger stark diesen offenen Austausch von Zuneigung gibt, wie zum Beispiel in der Schweiz. Ich fand es auch schwierig zu Beginn all meine Einschränkungen zu akzeptieren, was ich als 17 jährige Frau alles darf oder eben nicht. Es kommt des Öfteren vor, dass einem Dinge verboten wurden und zwar nicht aus einem bestimmten Grund sondern einfach so. Zusätzlich gibt es in dieser Kultur die starke Überzeugung, dass Schwäche nicht gezeigt werden darf, sondern dass man immerzu stark sein muss.
Für mich war es auch schwer mit der Situation umzugehen, dass ich dort einfach überhaupt keinen Männern vertrauen konnte, weder Mitgliedern der Familie noch Freunden. Das wurde mir als Frau auch ständig geraten, man muss ständig vorsichtig sein und kann sich auf niemanden verlassen.

 

Was können wir voneinander lernen?

 

Die Leute in Südafrika – oder zumindest in meinem Umfeld - hatten die unglaubliche Fähigkeit sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen. Immerzu kämpften sie weiter, egal wie schwierig ihr Leben war. Allgemein wurde auch wenig gejammert, die Dinge wurden so hingenommen wie sie sind und man versuchte das Beste daraus zu machen. Wir können auch von ihnen lernen, immer unsere Fröhlichkeit zu behalten und nicht zu schnell in Traurigkeit zu verfallen. Sogar bei Beerdigungen wurde gelacht. Ausserdem können und müssen die Leute dort für sich selbst einstehen, für die Dinge, die sie wollen und für das was sie sind; sie glauben an den Spruch: Du lebst für dich selbst, nicht für die anderen. Etwas anderes, das wir auch von Südafrikaner lernen können, sind ihre starken Visionen. So viele hatten den starken Glauben an sich selbst, dass sie fähig sind, die Welt und Südafrika zu verbessern; auch wenn die Situation aus meiner Sicht hoffnungslos schien, glaubten die Leute daran dass sie eine Veränderung bringen können.

 

Was gefiel dir besonders an deinem Gastland?

 

Ich liebe Soweto, das Strassenleben, die Leute dort, das ewige langsame Umherwandern im Township mit meinen Freunden und die Vitalität der Schwarzen. Ihre Fröhlichkeit, wie sie tanzen und ihre Musik; wie sie reden und, dass sie so stolz sind. Ich liebe meine Gastfamilie und vermisse sie sehr auch wenn wir es nicht immer nur gut hatten zusammen. Am meisten gefiel mir in Südafrika die riesige Vielfalt in jeder Art, ständig lernte ich neue Dinge, sah neue Kulturen und es kam mir so vor als ob jede Familie total anders funktioniert als alle anderen. Mir gefiel die Gemütlichkeit; sie nennen es „the african time“. Alles geht langsamer voran, sie laufen sogar viel langsamer als wir. Mir gefiel es, dass du jeder erwachsenen schwarzen Frau Mama sagen kannst und jedem schwarzen Mann Baba (Papa), und dass dich jede wildfremde Frau wie ihr geliebtes Baby behandeln kann. Ich mochte es, dass alle meine schwarzen Freundinnen auf einmal meine Schwestern waren, wie eine grosse Familie.

 

Was waren die grössten Herausforderungen und wer hat dich dabei besonders unterstützt?

 

Meine Gastfamilie war für mich wie ein ständiges Arbeitsprojekt. Einerseits waren sie sehr verlässlich und rechtschaffen, andererseits hatten wir im Alltag häufig Streitereien; besonders mit meiner Gastschwester. Meine grosse Herausforderung war, dass das Gelingen der Beziehung zu meiner Gastfamilie sehr stark von mir abhing. Ich musste regelmässige Anstrengungen erbringen, um Missverständnisse anzusprechen, Probleme zu klären und überhaupt Gespräche zu beginnen. Ohne diesen Einsatz wäre die Beziehung zu meiner Gastfamilie verhärtet und verstummt.

Hilfe in dieser Angelegenheit erhielt ich von meiner richtigen Familie, die viel Erfahrung mit Gesprächsführung hat. Eine weitere grosse Herausforderung kam mit meinem Wunsch, eine Townshipschule zu besuchen, da ich das Schwarze Südafrika kennenlernen wollte. Für mein dortiges Umfeld war es unverständlich, dass ich von einer vorbildlichen Schule in eine „Armenschule“ wechseln wollte. Daher musste ich die Verantwortung für die Entscheidung und deren Folgen ganz alleine tragen. Meine Gastfamilie und meine früheren Mitschülerinnen versuchten mir eher Angst zu machen, als mich zu ermutigen. Verständnis und Hilfe erhielt ich von der regionalen Chapterperson von AFS. Gleichzeitig unterstützte mich eine andere Austauschschülerin, die ebenfalls mit Erfolg in eine Townshipschule gewechselt hatte. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich den Schulwechsel durchzog, da ich in der zweiten Schule sehr gute und bereichernde Erfahrungen machte.

 

Wie hat dich dein Austauschjahr  verändert und bereichert?

 

Durch mein Austauschjahr in Südafrika bin ich innerlich viel stärker geworden, kann viel besser schwierige Situationen ertragen, bin selbstsicherer, weniger launisch, glücklicher, und kenne mich selber viel besser. Ich habe den Wert meiner richtigen Familie, meiner richtigen Freunde und den der Schweiz erkannt; ich bin jetzt dankbar für die Dinge die ich habe.

 

Wenn du jemanden zu einem Austauschjahr überzeugen müsstest, was würdest du dieser Person sagen?

 

Ich würde der Person sagen, dass dies eine einmalige Chance auf eine ungewöhnliche und einzigartige Erfahrung ist. Ich würde sagen, dass die Welt wunderschön ist und man sie sich ansehen sollte, und dass ein Austauschjahr dafür perfekt ist. Zusätzlich lernt man sich selber viel besser kennen und es beschleunigt die persönliche Entwicklung sehr. Man findet auch eine zweite Familie und viele neue Freunde. Gleichzeitig würde ich aber auch darauf hinweisen, dass ein Austauschjahr nicht nur ein Zuckerschlecken ist, und doch, dass das starke Auf und Ab dich nur stärker macht, und man sich dadurch positiv verändert.

Tabea, 2012/2013 in Phalaborwa, Südafrika

Vor allem in Phalaborwa ist auch das Wetter sehr anders. Ein normaler, durchschnittlicher Sommertag hat einen absolut wolkenlosen, blauen Himmel und es ist so heiss, dass man ein Spiegelei auf der Strasse braten könnte.

Was hat dich dazu motiviert, ein Austauschjahr zu absolvieren?

Das waren hauptsächlich all die ehemaligen Austauschschüler, die mir von ihren grossartigen Erfahrungen und Erlebnissen erzählt haben.

Warum hast du Südafrika als Gastland gewählt?

Ich hatte schon immer ein Interesse an Afrika. Unter anderem auch, weil ich im Kongo geboren wurde. Da die Wahl von Ländern in Afrika nicht besonders gross ist, habe ich mich für Südafrika entschieden.

Wo in Südafrika lebst du zurzeit? Wie muss man sich deine Umgebung vorstellen?

Ich wohne in Phalaborwa. Das ist ein wunderschönes “Städtchen” ganz im Norden von Südafrika mitten im “Bush”. Die nächste Stadt ist eine Stunde weg von hier. Ich wohne in einem schönen Haus mit einem recht grossen Garten. Alle Leute hier haben einen Garten und die meisten Häuser haben nur ein Erdgeschoss. In der ganzen Stadt sind viele Palmen und andere Bäume gepflanzt.

Wie hat sich dein Alltag im Vergleich zur Schweiz verändert?

Der Schulalltag ist sehr anders. Die Schule beginnt um 07:20 und ist um 13:30 fertig (freitags schon um 12:30). Somit habe ich jeden Nachmittag frei. In jeder Schule trägt man eine Schuluniform. Auch geht man überall mit dem Auto hin. Es gilt als gefährlich, in den Strassen herumzugehen. Die Familie ist sehr wichtig. Gerade so oft, wie man Freunde besucht, besucht man auch die Verwandten.

Was sind die grössten kulturellen Unterschiede?

Das Essen ist ziemlich anders. Es gibt viele Dinge (z.B. Pap), die man in der Schweiz nicht kaufen kann. Die Religion hat einen wichtigen Stellenwert. Ich kenne nur wenige Leute hier, die nicht in die Kirche gehen. Die Hautfarbe spielt leider nach wie vor eine grosse Rolle. Weisse und Schwarze verkehren normalerweise nicht miteinander.

Vor allem in Phalaborwa ist auch das Wetter sehr anders. Ein normaler, durchschnittlicher Sommertag hat einen absolut wolkenlosen, blauen Himmel und es ist so heiss, dass man ein Spiegelei auf der Strasse braten könnte. Ein normaler, durchschnittlicher Wintertag hat einen vollkommen wolkenlosen, blauen Himmel und es ist immer noch um die 25°C.

Was gefällt dir besonders an deinem Gastland?

Die Liste mit Dingen, die mir nicht gefallen, wäre um einiges kürzer.

Die Natur hier ist einfach unglaublich! Es gibt Berge, die grün sind, die Karoo Wüste, das Meer, die Steppe, den “Bush”, riesige Maisfelder, Wälder und natürlich eine grosse Anzahl von Tieren. Im südlichen Teil des Landes schneit es manchmal auch im Winter. Phalaborwa ist ein wunderschöner Ort. Es gibt viele Läden und gute Restaurants. Das südafrikanische Essen überhaupt ist allgemein zu gut, um wahr zu sein. Ich gehe wirklich gerne zur Schule und ich mag es, eine Schuluniform zu tragen: Ich kann bestimmt 10 Minuten länger schlafen. Ich liebe die Kirche, zu der ich gehe. Was mir am besten gefällt, sind meine Gastfamilie, meine Freunde und all die anderen Leute, die ich hier getroffen habe. Es ist wirklich einmalig, mit Menschen aus einem anderen Land Freundschaften zu knüpfen und ihre Kultur kennen zu lernen.

Was brachte dir das Austauschjahr bisher? Wie hat es dich verändert und bereichert?

Dank dem Austauschjahr habe ich eine zweite Familie und ein zweites Zuhause dazu gewonnen. Ich hatte die Möglichkeit, in einem völlig fremden Umfeld einen neuen Freundeskreis zu bilden und ein Leben unabhängig von dem,das ich gewohnt bin, zu leben. Ich konnte eine neue Sprache lernen und auch mein Englisch um einiges verbessern. Ich bin zum ersten Mal in einem anderen Land, in dem ich wirklich lebe und nicht nur als Tourist unterwegs bin.

Was würdest du gerne aus Südafrika mit nach Hause nehmen, was es in der Schweiz nicht gibt?

Da gibt es viele Dinge. Ich würde am liebsten meine Gastfamilie und meine Freunde mit nach Hause nehmen. Ich würde die grünen Berge und den blauen Himmel mitnehmen. Jedoch bin ich auch glücklich mit den südafrikanischen Spezialitäten NickNacks, Biltong, Pap und allen meinen Erinnerungen.

Wenn du jemanden zu einem Austauschjahr überzeugen müsstest, was würdest du dieser Person sagen?

Dieses Jahr ist das absolut beste Jahr meines Lebens! Es ist ein Abenteuer, das von Tag zu Tag spannender und besser wird. Es ist etwas, was ich NIEMALS vergessen werde! Ich wünschte, jeder von uns hätte die Möglichkeit, das zu erleben, was ich gerade am Erleben bin! Du hast die Möglichkeit, in einem anderen Land zu leben, eine neue Kultur zu erfahren, eine zweite Familie zu bekommen, auf dich alleine gestellt zu sein, dein eigenes Abenteuer zu leben, und da gibt es noch so vieles mehr! Ich kann nur sagen: Tu es! 

Flurin, 2011/2012 in Tacuarembó, Uruguay

In Uruguay wurde ich vom Rythmus-Legastheniker zum Tanzprofi.

Was motivierte dich ein Austauschjahr zu absolvieren?

Schon immer haben mich fremde Länder mit ihren Kulturen und Sprachen, die so verschieden von unser eigenen sind, fasziniert. Meine Mutter hat in ihrer Jugend ein Jahr in Honduras verbracht, und die Geschichten, die sie meinen Geschwistern und mir darüber erzählte, weckten schon sehr früh den Wunsch in mir, eine ähnliche Erfahrung zu machen.

Wie hast du dein Gastland gewählt?

Eigentlich wollte ich zuallererst in die USA. Bei meinem Gespräch mit AFS in Zürich wurde mir jedoch klar, dass ich im Grunde auf der Suche nach etwas Exotischerem war. Mir schien, dass die Vereinigten Staaten weder sprachlich noch kulturell eine grosse Herausforderung für mich waren, da wir Englisch ja zur Genüge in der Schule haben, die Kulturmerkmale ähnlich wie in der Schweiz sind und man irgendwann im Leben höchstwahrscheinlich sowieso einmal in die USA reist. Es war mir schlicht zu Mainstream – ich wollte etwas ganz Neues. Ich fand, es wäre sicher toll, Spanisch zu können, und da mein Götti Argentinier ist, fiel meine Wahl dann auf Argentinien/Uruguay. Als mir AFS als erstes Uruguay anbot, zögerte ich für einen Moment. Ich hatte diese Möglichkeit nämlich gar nicht erst in Erwägung gezogen. Doch als ich nun darüber nachdachte, wurde mir klar, dass mir über Uruguay viel weniger bekannt war als über Argentinien, und da ich auf meiner Suche nach etwas GANZ Neuem schon einmal den Kurs gewechselt hatte, lautete meine Antwort: „Klar doch! Das wäre toll!“ Der endgültige Entscheid war also eher spontan.

Wo in Uruguay hast du gelebt?Wie muss man sich deine damalige Umgebung und Schule vorstellen?

Bei meinem Telefonat mit AFS hatte man mir zugesichert, eine Familie in der Hauptstadt Montevideo für mich zu finden. Als mir dann aber die Adressdaten meiner Gastfamilie bekanntgegeben wurden, erlebte ich dank Google Earth den ersten Schreck: Tacuarembó – meine Stadt – lag ungefähr 500 Kilometer von Montevideo entfernt landeinwärts. Trotz allem gefiel es mir bei meiner Ankunft ziemlich gut. Es fasste zwar etwa 35000 Einwohner, war aber dennoch ein abgelegenes Kaff, in dem nie viel los war (es gab eine einzige Disco im ganzen Ort). Als schönes Städtchen konnte man es ebenfalls nicht bezeichnen, die Strassenränder waren  meist mit geparkten Fahrzeugen gesäumt und auch die Gehsteige eher schmutzig. Jedes Haus hatte aus Sicherheitsgründen Umzäunungen und die Gärten waren von aussen nicht sichtbar, da sie jeweils auf der anderen Seite des Gebäudes lagen. Meine Schule war eine Privatschule, die von Eltern finanziert wurde, die ihren Söhnen und Töchtern eine solide Ausbildung ermöglichen wollten (das Niveau an öffentlichen Schulen ist in ganz Lateinamerika nicht einmal ansatzweise mit einer schweizerischen Sekundarschule zu vergleichen). Dennoch oder gerade deswegen war das Gebäude ein ehemaliges Wohnhaus, das zu einer Schule umfunktioniert worden war. Die verschiedenen Wohnräume waren nun Klassenzimmer, die Küche eine kleine Kantine. Am gesamten Colegio gab es 54 Schüler – auf vier verschiedenen Altersstufen. In meiner Klasse waren wir neun, mich mitgezählt. An der Vorderwand hing ein Plastikbrett, auf dem die Lehrer während dem Unterricht mit Filzstift Dinge notierten, die am Ender der Stunde mit einem Lappen wieder ausgewischt wurden. Der einzige Computer befand sich auf dem Sekretariat, und der wurde für administrative Zwecke genutzt.Hellraumprojektoren gab es keine. Am Ende des Ganges befand sich ein Raum voller mit Reptilienkörpern gefüllten Einmachgläsern und ein paar staubigen Reagenzgläsern, der die Aufschrift „Chemielabor“ trug. Diese Dimensionen sind für uns nur schwer vorstellbar, geschweige denn darin zu leben. Erstaunlicherweise kam mir all das nach einiger Zeit überhaupt nicht mehr merkwürdig, sondern absolut normal vor. Nur meine Mitschüler rissen jeweils ungläubig die Augen auf, wenn ich ihnen von meiner Schule in der Schweiz mit fünf Stockwerken und 1200 Schülern erzählte…

Wie hat sich dein Alltag im Vergleich zur Schweiz verändert?

Vor allem musste ich nicht mehr so früh aufstehen! Die Schule lag gerade um die Ecke und begann erst um acht. Nein, natürlich war in meinem neuen Leben allgemein nichts so wie in meinem alten. Zum Beispiel das Nachtleben in Uruguay faszinierte mich von Beginn weg: Es geht niemand vor zwei Uhr früh aus dem Haus und vor sieben Uhr ist auch niemand wieder zuhause – niemals. Im Haushalt musste ich kaum mithelfen, da meine Familie Hausangestellte, sogenannte „Trabajadoras“, beschäftigte. Es war etwas gewöhnungsbedürftig, dass ich mein Zimmer in einem heillosen Durcheinander zurücklassen konnte und es bei meiner Rückkehr blitzblank vorfand. Obwohl das natürlich überaus angenehm war, hatte ich manchmal fast ein schlechtes Gewissen, da ich nicht wollte, dass andere meine Unordnung aufräumen mussten. Was mich jedoch am Anfang am meisten beeindruckte, waren die Essgewohnheiten der Uruguayer. Anders als bei uns mit Frühstück, Mittag- und Abendessen gibt es in Uruguay zusätzlich noch die „Merienda“. Eigentlich ist das der Zvieri, in seinem Ausmasse aber eine Mahlzeit für sich. Als ich das erste Mal mit meiner Familie „Merienda“ hatte, dachte ich, es handle sich dabei ums Abendessen. Als dieses aber dann drei Stunden später serviert wurde, zwang ich mich, höflich mitzuessen, obwohl ich das Gefühl hatte, jeden Moment aus allen Nähten zu platzen.

Wie muss man sich ein typisches Familienleben in Uruguay vorstellen?

Für die Uruguayer hat die Familie eine grosse Bedeutung. Sie ist das Wichtigste überhaupt. In meiner Familie waren sie immer sehr herzlich miteinander (auch mit mir), und an den Sonntagen waren wir meist bei irgendeiner Tante zum Mittagessen eingeladen, oder aber die Grossmütter kamen zu uns nach Hause. An irgendeinem wichtigen Anlass oder Feiertag versammelt sich jeweils die gesamte Verwandschaft an einem Ort und es wird gross aufgetischt. Und an Ostern und Weihnachten beschenkt immer jeder jeden. Natürlich gibt es aber auch innerhalb einer Familie manchmal Streit oder schwarze Schafe, über die heftig diskutiert wird. Dennoch versucht man sie irgendwie in die Gemeinschaft zu integrieren, „da man sich die Familie eben nicht aussuchen kann“.

Was waren die grössten kulturellen Unterschiede?

Das ist schwierig zu sagen. Mir fallen spontan etwa tausend Dinge ein…Was wir in der Schweiz jedenfalls nicht haben (und definitiv haben sollten) sind Mate und Dulce de Leche. Mate ist ein bitteres, teeartiges Getränk, das aus einem Holzbecher mit einem Metallröhrchen getrunken wird. Mate ist aber nicht einfach nur ein Getränk, sondern eine Gemeinschaftsaktiviät. Man sitzt im Kreis mit Freunden oder Familie und der Becher wird herumgereicht, leergetrunken und jedes Mal neu eingeschenkt, während das aktuellste Weltgeschehen diskutiert wird. Dulce de Leche ist ein süsser, karamellartiger Brotaufstrich, der in Uruguay in praktisch allen Süssigkeiten verwendet wird. Für mich persönlich hat es den Status eines potentiellen Suchtmittels – seit ich es das erste Mal probiert habe, kann ich nicht mehr ohne auskommen. Die Uruguayer sind sogar sosehr davon abhängig, dass sie mich, nachdem sie erfahren hatten, das Dulce de Leche in der Schweiz nicht existierte, fragten, womit wir den Geburtstagstorten machten. Andersrum ist es zwar so, dass sie einige Schweizer Bräuche kennen, aber nicht wirklich mit ihrer Tradition und Anwendung bekannt sind. So gab es zum Beispiel an einem Hochsommerabend bei uns zu Hause Fondue…

Was können wir voneinander lernen?

Was die Schweizer von den Uruguayern lernen könnten, ist sicher ihre unglaubliche Offenheit gegenüber Fremden. Obwohl ich anfangs kaum jemanden kannte, wurde ich überall warmherzig willkommen geheissen und hatte überhaupt keine Probleme, mich zu integrieren. Ich beobachte oft das Gegenteil bei Austauschschülern, die in die Schweiz kommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten Kanti-Schüler immer viel um die Ohren haben, jedoch wird den Austauschschülern nach einiger Zeit kaum mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Das zweite ist das Tanzen. Die meisten Schweizer sind hoffnungslose Rhythmus-Legastheniker. In den ersten Monaten war ich auf allen Festen als „árbol bailante“ (tanzender Baum) bekannt, bevor ich mir von meinen Klassenkameraden ein paar Tanzschritte abguckte und einstudierte. Auch hierbei spürte ich immer sehr viel Offenheit – die Mädchen tanzten immer bereitwillig mit mir, obwohl sie bestimmt schon längst blaue Zehen hatten. In allen anderen Dinge wie Staats- und Schulsystem, Sauberkeit, Sicherheit und so weiter ist die Schweiz aber natürlich ein Vorzeigebeispiel, von dem sich Uruguay ein Stück abschneiden könnte.

Was gefiel dir besonders an deinem Gastland?

Abgesehen von all den tollen Leuten, die ich kennengelernt habe, war das die Natur. Obwohl die uruguayische Landschaft ziemlich eintönig ist, war es für mich ein unbeschreibliches Gefühl, auf einem Pferderücken neben meinem Gastvater und meinen Gastschwestern über die schier endlosen Weiten der Pampa zu galoppieren, ohne dass irgendwo Zäune oder andere Grenzen aufgetaucht wären.

Was waren die grössten Herausforderungen und wer hat dich dabei besonders unterstützt?

Die Sprache und das Heimweh. Mit dem Spanisch hatte ich zwar nur am Anfang Mühe, und ich konnte jeweils meine Familie oder Freunde fragen, wenn ich ein Wort nicht verstand. Da das jedoch anfangs ziemlich häufig der Fall ist, kommt man sich schnell einmal ein wenig blöd vor, immer nachzuhaken, doch dann fühlt man sich nicht miteinbezogen, weil man grosse Teile der Konversationen nicht versteht. Sobald sich mein Spanisch jedoch ein wenig automatisiert hatte, merkte ich schnell, wie ich alle Menschen um mich herum besser kennenlernte. Gegen das Weitwegsein von den eigenen Verwandten und Bekannten können Gastfamilie und Freunde zwar meist etwas ausrichten, doch in manchen Fällen sind auch sie machtlos. Dann gibt es keine andere Möglichkeit, als zu warten, bis das Heimweh vorbei geht.

Wie hat dich dein Austauschjahr verändert und bereichert?

Einmal abgesehen davon, dass ich eine Weltsprache, die ich vorher kaum verstand, nun fliessend spreche, bin ich dank meinem Austauschjahr sicher auch als Person gewachsen. Wenn man sich fern von alledem, worin man aufgewachsen ist, durchschlagen muss, wird man automatisch selbständiger, selbstbewusster und reifer. Das Beste, das ich mit mir nach Hause genommen habe, sind aber all die neuen Menschen, die ich kennengelernt, und die Freunde, die ich gewonnen habe, und die Familie, die mich als Mitglied in ihren Kreisen aufgenommen hat.

Wenn du jemanden zu einem Austauschjahr überzeugen müsstest, was würdest du dieser Person sagen?

Ich würde jedem, der sich wirklich für ein Austauschjahr interessiert, empfehlen, es unbedingt durchzuziehen. Es ist eine einmalige Gelegenheit, seinen geistigen und kulturellen Horizont zu erweitern. Es ist eine Chance, in jungem Alter bereits einen entfernten Teil der Welt kennenzulernen, und sich zu beweisen, dass man etwas alleine schaffen kann. Es ist ein grossartiges und wahrscheinlich sogar das speziellste Jahr, das man je erleben wird. Es ist etwas, das einem sein ganzes Leben lang unvergesslich in Erinnerung bleiben wird; etwas, wovon man auch seinen Kindern und Grosskindern noch stolz erzählen kann. Ein Austauschjahr ist eine Erfahrung, die sich immer lohnt und von der man nur profitieren kann.

Lia, 2015/2016 in Clarence NY, USA

Ich möchte mich in diesem Jahr besser kennenlernen, mich und meine Grenzen austesten und Erfahrungen machen, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.

Vor zwei Monaten bin ich in die USA gekommen, um eine neue Kultur zu entdecken, mit einer amerikanischen Familie zu wohnen und Freundschaften mit Menschen von der ganzen Welt zu schliessen.

Die USA sind sehr populär und man hört viel von ihnen in den Medien und in Filmen. Ich war hier auch schon mit meiner Familie in den Ferien und mich hat dieses Land damals schon fasziniert. Aber eigentlich wollte ich sehen, wie es hier wirklich ist. Was von dem, was man hört, wahr ist und was nicht.

Wenn ich die USA mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es definitiv „gross“. Alles hier hat nämlich die zehnfache Grösse von der Schweiz. Die Portionen des Essens in den Restaurants, die Strassen, die Autos, einfach alles!

Ich wohne in einem „Dorf“ ca 20 Minuten von der nächst grösseren Stadt entfernt. Man kann dieses Dorf aber keinesfalls mit einem Dorf aus der Schweiz zu vergleichen. Hier ist alles viel mehr ausgebreitet und auf einer grösseren Fläche. Es gibt praktisch keine Gebäude mit mehr als zwei Stockwerken. Die Einkaufsläden sind immer einige Läden in einem Gelände mit einem riesigen Parkplatz davor. Die sind immer alle nebeneinander, nie übereinander.

Der Unterschied  in meinem Alltag besteht vor allem darin, dass ich in der Schule jeden Tag dieselben neun Fächer habe und die somit auch jeden Tag um die selbe Zeit am Nachmittag endet. Das kann mit der Zeit ein bisschen langweilig werden, finde ich. Nach der Schule hat man oft noch Training in irgendeinem Sport und dann kommt man nach Hause und macht seine Hausaufgaben. Somit hat man eigentlich nicht wirklich Zeit für etwas anders als die Schule. Ich habe immer gehört, wie einfach die Schule in Amerika sei und dass das alles kein Problem sei. Aber in meiner Erfahrung bis jetzt, nimmt die Schule auf jeden Fall mehr Zeit in Anspruch als die in der Schweiz.

Ich glaube die kulturellen Unterschiede kommen sehr auf die Familie drauf an. Meine Familie zum Beispiel isst fast nie zusammen. In der Schweiz ist das etwas, was wir versuchen möglichst oft zu tun. Dafür machen sie hier andere Dinge zusammen mit der Familie, wie zum Beispiel zusammen ein Footballgame anschauen oder am Wochenende kurz mit dem Boot raus auf den See gehen. Aber das sind halt Dinge, die von Familie zu Familie variieren.

Ich mag meine Familie hier wirklich sehr und ich glaube das ist eine grosse Hilfe für alle bisherigen und noch kommenden Herausforderungen. Wenn es in der Schule schwierig ist, ist es toll, wenn man sich auf Zuhause freuen kann, weil man weiss, dass einem Menschen erwarten, die man gern hat und denen man alles erzählen kann. Denn auch wenn es heutzutage einfach ist, mit seiner Familie und Freunden von der Schweiz in Kontakt zu bleiben, kann man trotzdem nicht jedes Mal, wenn etwas aufregendes passiert, seine Eltern in der Schweiz anrufen.

Ich würde sagen, meine grösste Herausforderung bisher war oder ist teilweise immer noch die Schule. Sie hat 1600 Schüler, und auch wenn man denkt, bei so vielen Leuten sollte man doch Freunde finden, ist es sehr schwierig. Ich machte meinen ersten Schritt in diese Schule hinein, kannte keine Menschenseele und spreche auch die Sprache nicht wirklich fliessend. Auch wenn die meisten Amerikaner sehr offen sind, ist trotzdem sehr schwer, sich anzupassen und neue wirkliche Freunde zu finden. Man muss dabei einfach probieren, locker zu bleiben und dem ganzen Zeit zu geben. Jetzt, nach einem Monat in der Schule, geht es mir nämlich schon deutlich besser und ich habe auch schon ein paar Freunde gefunden.

Es gibt so viele Unterschiede hier, kleine wie auch grosse, man könnte sie gar nicht alle aufzählen. Die Autos, die Schule, der komplette Lifestyle ist anders. Das Leben hier kommt mir schneller vor und es muss immer etwas gemacht werden. Die Menschen hier leben anders, sie machen andere Dinge, um sich zu unterhalten. Und trotzdem, irgendwo sind wir immer noch alle Menschen. Egal wo oder wie wir leben.

Das Beste in meinem Austauschjahr sind all die tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte. Seien es andere Austauschschüler, die die gleichen Erfahrungen machen wie ich oder die zweite Familie, die man bekommt. Diese Dinge sind einfach grossartig. Und auch wenn es einige Dinge gibt, die mir in der Schweiz besser gefallen als hier, ist das hier trotzdem die beste Erfahrung meines Lebens!

Ich habe neue Leute kennengelernt und hatte nicht immer dieselbe Meinung wie diese. Aber man sollte von diesen Gesprächen und Diskussionen lernen und offen gegenüber anderen Meinungen sein und seine Perspektiven erweitern. Für das ist ein Austauschjahr die beste Möglichtkeit! Neben all den Freundschaften, die man schliesst, lernt man eben auch noch Dinge fürs Leben und ich hoffe, für mich war das erst der Anfang. Da erscheinen einem die Risiken, die man für ein Austauschjahr in Kauf nimmt, so klein, dass es eigentlich gar keine Frage ist, ein Austauschjahr zu machen oder nicht. Die Frage sollte also eigentlich eher sein, warum man kein Austauschjahr machen sollte. Ich habe darauf auf jeden Fall noch keine Antwort gefunden!

 

Athina, 2013/2014 in Minnesota, USA

Mach es einfach, es ist eine unvergessliche Erfahrung, die sich wirklich lohnt!

Aus welchen Gründen hast du dich für einen Austausch entschieden?

Ich bin allgemein sehr an Sprachen und Reisen interessiert und wollte es schon lange einmal machen.

Wie hast du dein Gastland gewählt?

Ich würde nach dem Gymnasium gerne in die Hotelfachschule in Lausanne gehen, welche man entweder auf Englisch oder Französisch machen kann. Ich mag Englisch viel besser und wollte deshalb in einem angelsächsischen Land mein Austauschjahr verbringen. Da Kanada wegen Privatschulen viel teurer ist, Australien und Neuseeland wegen den Jahreszeiten und deshalb dem Schulbeginn ungünstig sind und England nie in Frage kam, ging ich in die USA.

Wo genau hast du gelebt?  Wie muss man sich deine damalige Umgebung und Schule vorstellen?

Ich habe in Lino Lakes, Minnesota gelebt. Lino Lakes ist ein Vorort von den Twin Cities, Minneapolis & St. Paul. Es liegt im Norden der USA, wo es im Sommer sehr warm wird (ca. 32 Grad Celsius) und im Winter will man gar nicht erst sein Haus verlassen, da es je nach Windstärke bis zu ca. -50 Grad Celsius sein kann. Meine Schule heisst Centennial High School und etwa 2500 Schüler gehen dort zur Schule.

Wie unterschied sich dein Alltag im Vergleich zur Schweiz?

Schon der Morgen begann ganz anders. Ich stand um 7 auf und ass Frühstück (meistens gefrorene Toasterwaffeln mit Peanutbutter). Dann fuhr unser Nachbar, der auch dort zur Schule geht, meine Schwester und mich zur Schule. In der Schweiz gehe ich immer mit dem ÖV zur Schule. Dann ging ich in die erste Stunde und hatte nachher 8 Minuten Pause zwischen den Stunden. Nach der 4. Stunde hatte ich Mittag. Meistens machte mein Gastvater uns “Peanutbutter & Jelly Sandwiches” mit Früchten oder Gemüse dazu, da das Essen in der Cafeteria ungeniessbar war. Nach der 5. und 6. Stunde war die Schule schon fertig. Im Herbst hatte ich gleich danach jeden Tag Tennis, im Winter hatte ich dreimal pro Woche Slalomtraining und teilweise auch Rennen und im Frühling hatte ich jeden Tag Leichtathletiktraining und auch Wettkämpfe. Hier hatte ich nicht so viel Sport gemacht, aber jetzt gehe ich auch ins Leichtathletik. Freitagabend machten wir oft etwas mit den Nachbarn, die etwa gleich alt sind wie meine Gastschwester und ich.

Wie muss man sich ein typisches Familienleben in den USA vorstellen?

Viele Leute verbringen nicht so viel Zeit mit ihrer Familie, wie wir es uns gewohnt sind. Dass man mit der Familie isst, ist eher selten. Ich hatte Glück, dass meine Gastfamilie oft miteinander ass. Was aber viele Familien in der Region zusammen machten, war, dass sie sonntags gemeinsam in die Kirche gehen. Als ich das erfahren hatte, war ich zuerst schockiert, habe mich aber dann schnell daran gewöhnt.  Sonntagabends gingen wir jeweils zu den Grosseltern und assen dort, da die Grossmutter immer kochte. Der Bruder meiner Gastmutter und seine Familie kamen meistens auch.

Was waren die grössten kulturellen Unterschiede?

Ich denke, die grössten kulturellen Unterschiede waren sicher das Essen. Gutes Brot haben sie da nicht und allgemein ist das Essen im Norden eher weniger gut. Ein anderer Unterschied war die Einstellung gegenüber ihrem Land und anderen Ländern. Sie denken nicht unbedingt, dass die USA das beste Land ist, aber als ich ihnen erzählte, dass ich nicht unbedingt freiwillig in den Krieg gehen und für mein Land kämpfen würde, waren sie ziemlich schockiert. Auch die Einstellung gegenüber anderen Ländern und Religion war nicht so toll, da sie denken, dass alle Muslime schlecht sind wegen 9/11. Auch wissen sie überhaupt nicht viel über andere Kulturen. “Die Hauptstadt der Schweiz? Ist das nicht Stockholm?” Ihre Freundschaften sind auch viel oberflächlicher als unsere. Mir persönlich ist es lieber nur ein paar,  dafür echte Freunde zu haben.

Was können wir voneinander lernen?

Ich denke, dass sie lernen sollten, dass nicht alle anderen schlecht sind und dass andere Kulturen einfach anders und nicht unbedingt schlechter sind. Wir können sicher von ihnen lernen, dass es nicht schadet zu lächeln und freundlich zu sein.

Was gefiel dir besonders an deinem Gastland?

Mir gefiel, wie alle so freundlich waren, auch wenn sie einmal nicht gut drauf sind. Man sagt bestimmt nicht umsonst: “Minnesota Nice” Aber mit Abstand das Beste waren meine Gastfamilie und Nachbarn. Ich habe mich sofort so gefühlt, als ob sie mich schon seit Jahren kennen und sie gaben mir einfach das Gefühl von Zugehörigkeit. Meine besten Freunde kommen jetzt aus einem anderen Land und obwohl wir uns nicht oft sehen werden, denke ich, dass unsere Freundschaft ein Leben lang hält.

Was waren die grössten Herausforderungen und wer hat dich dabei besonders unterstützt?

Ich hatte eigentlich keine grossen Probleme während dem ganzen Jahr, aber wenn ich mal Heimweh hatte,  konnte ich gut mit meiner Schwester darüber sprechen.

Wie hat dich dein Austauschjahr verändert und bereichert?

Ich bin sicher extrem viel selbstbewusster, selbstständiger und offener geworden. Aber vor allem habe ich jetzt eine zweite Familie und einen zweiten Freundeskreis.

Rilana, 2012/2013 in Rochester, USA

Dieses Jahr in Amerika war das beste Jahr meines Lebens.

Aus welchen Gründen hast du dich für einen Austausch entschieden?

Ich wollte mal etwas Neues erleben und eine neue Kultur kennen lernen. Meine Schwester hat auch schon ein Austauschjahr gemacht, als ich noch sehr klein war. Sie hat mir immer viele Geschichten erzählt und von da an wusste ich, dass ich das auch gerne machen würde. Auch hat es mich immer wieder in andere Länder gezogen und wollte etwas von der Welt sehen.

Wie hast du dein Gastland gewählt?

Ich habe mich für die USA entschieden, weil ich ganz genau wusste, dass mich kein anderes Land interessieren würde bevor ich nicht in Amerika war. Und zusätzlich interessiere ich mich sehr für die amerikanische Geschichte.

Wo genau hast du gelebt? Wie muss man sich deine damalige Umgebung und Schule vorstellen?

Ich habe in Avon, New York gelebt. Avon ist etwa 1.5h süd-östlich von den Niagarawasserfällen entfernt. Avon ist ein kleines Dorf, welches eine halbe Stunde von der nächsten Stadt (Rochester) entfernt ist. Avon hat ein kleines Dorfzentrum aber die meiste Zeit habe ich in der Schule verbracht.

Wie unterschied sich dein Alltag im Vergleich zur Schweiz?

Ich habe immer einen Fahrer gebraucht, deswegen war ich sehr unselbstständig beim Thema Transport. Ich habe auch sehr viel Zeit in der Schule verbracht, wegen dem Sport oder irgendwelchen Anlässen wie z.B. Homecoming. Auch ist mir aufgefallen, dass meine Schule, in der Schweiz, überhaupt keinen Schulspirit hat. Ich vermisse den Avon Braves Spirit sehr.

Wie muss man sich ein typisches Familienleben in den USA vorstellen?

Es ist eigentlich ziemlich genau wie in der Schweiz. Aber wegen der unterschiedlichen Kulturen hat man andere Regeln und Gewohnheiten und Traditionen. Weil ich sehr ein offener Mensch bin kam ich mit der anderen Kultur sehr schnell klar.

Was waren die grössten kulturellen Unterschiede?

Das ist eine schwere Frage, weil beide Kulturen für mich normal geworden sind. Aber ich würde sagen gewisse Regeln wie z.B. gemeinsam am Tisch sitzen und 3 mal am Tag gemeinsam essen. Ich habe Normalerweise immer im Stehen gegessen ausser, wenn alle zu Hause waren und wir gemeinsam essen konnten. Auch bete ich in der Schweiz nie bevor Mahlzeiten oder vor dem Schlafen gehen. Was können wir voneinander lernen? Man lernt, dass es auch auf einen anderen Weg geht. Jede Kultur hat eine andere Art etwas anzugehen. Man lernt wie man offen sein kann, und wie andere Leute ticken. Es gibt so vieles, dass ich gar nicht alles aufzählen kann.

Was gefiel dir besonders an deinem Gastland?

Die Leute waren sehr offen und hatten sehr viel Geduld mit mir. Mir ist auch aufgefallen, dass die meisten Stereotypes gar nicht wahr sind. Meine Freunde waren alle sehr humorvoll und sehr ehrlich. Aber am besten hat mir der Schoolspirit gefallen. Ich habe mich richtig als ein Teil von etwas gefühlt.

Was waren die grössten Herausforderungen und wer hat dich dabei besonders unterstützt?

Die Sprache war sicher eine grosse Herausforderung aber weil ich ja schon Englisch in der Schule hatte, habe ich mich sehr schnell daran gewöhnt. Über den Winter fühlte ich mich manchmal sehr alleine und ausgeschlossen, aber meine Gastmutter, meine Gastbrüder und meine Schwester haben mir sehr viele und sehr gute Tipps gegeben. Aber als die Sonne wieder kam, ging dies auch sehr schnell wieder weg.

Wie hat dich dein Austauschjahr verändert und bereichert?

Ich würde sagen, ich bin reifer geworden. Ich habe gelernt, dass man jeden so akzeptieren soll wie er ist und wie man etwas richtig schätzen lernt. Durch meine Erfahrungen kann ich Sachen viel besser einschätzen und die richtigen Entscheidung treffen. Dazu kommt noch, dass ich durch dieses Jahr sehr viele neue Leute getroffen und kennengelernt habe und ich jetzt Freunde und Familie auf der ganzen Welt habe.

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